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Sonntag, 20. Mai 2012

Erste Schulwochen


Hallo ihr Lieben,
es ist Sonntagabend, der Regen prasselt aufs Dach und über mir rollt seit etwa einer halben Stunde ein einziger langgezogener Donner. Es ist zu laut zum Filme schauen, zu dunkel zum Briefe oder ähnliches schreiben und zu nass um zu den anderen ins große Haus zu laufen, also berichte ich euch mal was so los war in den letzten zwei Wochen. In meiner Freizeit beschäftige ich mich im Moment viel mit meinem Studium, dass ja schon fast beginnt wenn ich nach Hause komme. Das bedeutet auch, dass ich die meisten Wochenenden in Kisumu verbringe, da dort die Internetverbindung deutlich besser ist (das Essen auch^^). Mit dem Besuch aus Tansania habe ich auch festgestellt, dass wir dort einen hervorragenden Chinesen und ein superleckeres arabisches Grillrestaurant haben. Schade, dass ich dort nicht noch viel öfter hin kann. Die beiden Mädchen aus Tansania sind bis zum Montag (an dem die Schule begann) geblieben und haben sich dann auf den Heimweg gemacht. Das Wochenende habe ich mit ihnen in Nyang’oma bei Julia und Johannes verbracht. Die Julia ist leider in der darauf folgenden Woche schon wieder nach Deutschland zurück geflogen. In der Schule ist dann so nichts weiter passiert, wir haben eine neue Lehrerin bekommen (Madam Anne die Dritte), da eine andere nun bald ihr Baby bekommt, Jorim ist auch wieder in der Schule, da er und Aloyce mit dem Spraying-Projekt fertig sind. Die Schule ohne ihn war nicht unbedingt langweilig, aber mit ihm macht es deutlich mehr Spaß. Ich habe auch ein neues Hobby entdeckt: nachdem ich knallbunten Stoff bei Mildred im Shop gefunden habe, bin ich zur Schneiderin gegangen und habe sie gefragt, ob ich wohl ihre freistehende Nähmaschine benutzen dürfte. Sie arbeitet allein und hat sich daher sehr über meine Gesellschaft gefreut und so kam es, dass ich mir nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Tretbrett der Maschine eine knallbunte Tasche genäht habe. Zuhause habe ich noch genauso bunte Knöpfe kreuz und quer darauf gesetzt. Ich werde versuchen euch ein Bild davon hochzuladen. Bei facebook existiert bereits eins. Nun bewundern alle meine Tasche und nach dem ich meine vorlaute Klappe aufgerissen habe, dass ich die Tasche ja selbst genäht habe, will auch jeder andere Bekannte eine haben, vielleicht nicht ganz so bunt und schrill und mit ein paar Variationen…
Wir sind im Moment auch mitten in der Regenzeit, dass habt ihr sicher an ein paar Bildern schon gesehen. Inzwischen kommt der Regen relativ regelmäßig jeden zweiten Abend und nicht mehr ganz so heftig wie am Anfang, doch matschig ist es trotzdem noch häufig. Also nie ohne Gummistiefel los! Während im Januar alles gelb-braun, trocken, heiß und staubig war, sind die Temperaturen jetzt deutlich angenehmer, es weht immer eine erfrischende Briese und es gibt ganz klares Regenwasser zum Duschen. Innerhalb von einer Woche nach den ersten Regenfällen wurde es hier auch schlagartig saftig, knallig grün. Ich habe euch ja von unserer Pflanzaktion am Anfang der Ferien erzählt. Das ist nun ca. 1,5 Monate her. Der Mais, den wir eingepflanzt haben geht uns nun ungelogen bis zur Hüfte!!! Alles wächst rasend schnell! Leider kommen aber auch die Moskitos in Scharen zurück. Man merkt erst jetzt wie wenig man sie in den letzten 5 Monaten gesehen hat. Durch die besonders starken Regenfälle ganz am Anfang der Regenzeit und die dadurch hervorgerufene Feuchtigkeit in den Hütten,  scheint auch das Moskitospray das Aloyce wochenlang in allen Hütten der Region gesprüht hat, überhaupt nicht zu wirken. Also einmal umsonst die Umwelt und meine Lungen mit Chemikalien verseucht.
Leider gibt es aber auch schlechte Nachrichten: William, der Besitzer der Tischlerei, in der ich kurzzeitig gearbeitet hatte und den ich immer gern heimlich Gnom genannt habe (eine ganz eigentümliche lustige Gesichtsform) ist schwer krank geworden. Man vermutet einen Darmkrebs. Hier, wo es keine Versicherungen und kaum gute Ärzte gibt, ist das eigentlich ein Todesurteil. Als ich ihn vor kurzem sah, bezweifelte ich stark, dass er überhaupt noch am Leben war. Er war unglaublich dünn geworden, seine Augen tief eingefallen, seine Haut matt und fahl. Afrikaner könne tatsächlich blass sein, ihr Haut nimmt so einen Grauton an. Ich selbst war nie in der Nähe eines sterbenden Menschen und habe auch nie jemanden verloren, den ich näher kannte. Die Situation ist komplett neu für mich und obwohl ich hier in Afrika schon andere Todesfälle mitbekommen habe, geht es mir bei William unglaublich nah. Die anderen hatte ich vielleicht nur kurz gesehen, wenn überhaupt, aber William kenne ich. Er ist ein Original, eigentlich lacht er immer, hat viele Falten im Gesicht und ist unglaublich herzlich. Lotte geht es mit der Sache glaube ich noch schlechter, das sie mit Williams zweiter Frau sehr eng befreundet ist. ZU ihrem üblichen Streß kommt nun also auch noch ihre Sorge um Stella und ihre Kinder, um die sich jetzt viel kümmert. In den letzten Tagen lag sie auch noch wegen einer bakteriellen Hautinfektion flach und nächste Woche kommen ihre Eltern und ihre drei jüngeren Brüder zu Besuch… Ich möchte nicht mit ihr tauschen! Eigentlich wollte ich in der Zeit, in der sie Besuch hat noch mal für ein paar Tage rüber nach Uganda, doch leider bestehen Aloyce und Florence auf meine Anwesenheit für den Besuch, also muss ich das wohl verschieben. Ich habe ja auch noch ein wenig Zeit.
Und hier für alle: Ab dem 23. Juli dürft ihr mich wieder in Deutschland willkommen heißen, also pünktlich zum Otterndorfer Altstadtfest^^
Liebe Grüße
Hanne

Donnerstag, 3. Mai 2012

Hallo ihr Lieben,
am Montag ist der Besuch sehr gut angekommen und das Wetter hat es sogar zugelassen, dass wir nach am Abend nach Masogo konnten. Lotte ist leider schon nach Nairobi gefahren. Am Dienstag habe ich Rike und Luise dann meinen wunderschönen Fluss gezeigt, Lotte Schule die Wambi, wir haben gewaschen, sind noch kurz nach Masogo, um meine Schule zu sehen und ein paar Leute zu treffen, aber dann haben uns leider auch die drohenden Wolken nach Hause gejagt. Und wir kamen keine Minute zu früh an. Kaum waren wir da goss es aus allen Kübeln und uns blieb nichts anderes übrig als Essen zu kochen und uns möglichst nah an das kleine Feuerchen in der Küche zu drängeln. Wir waren später auch noch im Haus mit den Kindern spielen, Mikado (von der Oma im Brief geschickt), Memory, HalliGalli und wir haben dann auch noch Phase 10 gespielt. Am Mittwoch ging es auch schon wieder nach Kisumu (nach dem man lange ausgeschlafen, gefrühstückt, geräumt und von der schweren Arbeit ausgeruht hatte). Luise ließ sich bei unserem Superinder die Haare schneiden und lief danach natürlich nur noch mit einem dicken Grinsen durch die Gegend und danach sind wir noch durch die kleinen Gassen mit den Second-Hand-Ständen gelaufen. Letztendlich sollte man echt nicht drüber nachdenken, dass wir Europäer hier wieder die Rot-Kreuz-Altkleider aufkaufen. Aber es waren einfach ein paar echt schöne Teile dabei und es war auch schon fast dunkel, also hingen die Sachen ja schon den ganzen Tag da, wenn sie niemand haben wollte, ist das ja nciht unsere Schuld oder??? (ich weiß dass das eine faule Ausrede ist). Wir haben in einem kleinen indischen Restaurant gegessen. Dort war ein Grill draußen aufgebaut und in einer steinernen, mit Kohlen gefüllten Tonne wurden Naans (Teigfladen) gebacken. Nun ist es wirklich schon viel zu spät, durch einen netten Film auf dem viel zu kleinen Laptopbildschirm und so verabschiede ich mich wieder einmal. Ich seh euch dann alle ja spätestens in zielich genau 3 Monaten...
Alles Liebe
Hanne

P.S.: TOITOITOI bis jetzt hatte ich noch nicht einmal Malaria!!! SUPIII!