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Sonntag, 4. Dezember 2011

Allgemeine Erzählungen

Die Familie
So ich erstelle mal ein paar weniger tagebuchmäßige Artikel zu den allgemeinen Dingen und da fange ich mal mit meiner Gastfamilie an: Mein Gastvater, Aloyce ist ein Farmer und engagiert sich außerdem viel in der Kirche und im Dorf. Eigentlich lächelt er immer und ist einfach ein sehr offener und freundlicher Mann. Seine etwas jüngere Frau Florence ist groß und eher von der ruppigen, direkten Art, ihr Angewohnheit einfach immer das zu sagen was sie denkt, scheint manchmal unhöflich ist aber auch ganz praktisch. Aber auch sie ist tief innen herzensgut und lieb. Die beiden haben 4 leibliche Kinder, da wäre Julius (14), der immer „Mse“ gerufen wird, das bedeutet „alter Mann“. Er wurde nach seinem Großvater Julius genannt und ihn Mse zu rufen ist eine Form, den Großvater zu ehren. Tonny (12) ist ein ziemlich aktiver, schlaksiger Junge, immer am Rennen und Spielen, leider ist er nicht ganz so gut in der Schule, ich vermute dass er leichter Legastheniker ist. Biata ist gerade 10 geworden und die kleine Ilka ist 6, sie ist ein wenig verwöhnt und halt das Baby in der Familie. Die Kinder haben alle keine besonders typisch afrikanischen Namen und die letzten drei wurden glaube ich nach deutschen Freunde von Aloyce benannt. Auf dem Compound wohnen noch der 19-jährge Evans, der als Mechaniker im Ort arbeitet, Aloyce hat ihn im Alter von 9 Jahren als Vollwaisen adoptiert, und Isaac, er ist das Kind von einer Schwester von Aloyce, die verstorben ist. Isaac hat sich wohl überhaupt nicht mit der neuen Frau seines Vaters verstanden und wohnt nun auch bei Aloyce. Manchmal kommen vom Nachbarcompound (das gehört Aloyce Mutter) noch Lucy und Paulus (gerufen Pau) herüber, die beiden sind uneheliche Kinder von einer anderen Schwester von Aloyce´, die arbeitslos ist und sich deshalb nicht um die Kinder kümmern kann. Lucy (6) ist recht still und eher verantwortungsbewusst, sie musste wohl schneller älter werden und sich um ihren kleinen Bruder kümmern, Pau selbst ist glaube ich 2 und ein unglaublich süßes Kind und so wie ich es mitbekomme erstaunlich unanstrengend.
Vielleicht seid ihr wegen Aloyce Schwestern ein wenig verwirrt, er ist das Älteste (49 glaube ich) von 10 Kindern, 8 Schwestern und 2 Jungs. Sein Bruder ist der Jüngste (gerade mal 12) und heißt Emmanuel, er geht mit Tonny in eine Klasse und ist auch wie Lucy und Pau ab und zu auf dem Compound beim Spielen oder beim Essen dabei.

Das Essen
Morgens wird in Afrika eigentlich nur Tee getrunken, manchmal mit ein wenig Reis. Wir bekommen von unserer Gastfamilie immer Brot mit süßem Aufstrich (sonst geht ja nichts ohne Kühlschrank), manchmal auch Cornflakes oder heiße Mandazis (so etwas wie Schmalzkuchen nur viel fettiger und nicht süß) und dazu immer ein wenig Obst. Hier wächst eigentlich alles, was wir so an exotischen Früchten kennen: Orangen, Bananen, Mangos, Wassermelonen, Ananas, Maracujas, Passionfruits, Papaya und Kokosnüsse. Die Bananen sind aber viel kleiner. Mittags wird zuhause auch nur Tee getrunken, in der Schule gibt es meistens Reis mit Bohnen oder Bohnen mit Mais. Der Mais ist hier größer, meistens weiß und viel mehliger. Meistens werden rote Bohnen gegessen, es gibt aber auch Green Grams (ich weiß nicht wie das auf Deutsch heißt). Abends gibt es dann die warme Mahlzeit. Das Haupnahrungsmittel ist hier Ugali, ein fester Brei aus Maismehl und Wasser, ungewürzt. Dazu gibt es dann verschiedene Gerichte. Es gibt Kartoffeln, gekocht mit Tomaten und Zwiebeln, Kochbananen (eigentlich sind es glaube ich einfach nur unreife Bananen), gekocht wie die Kartoffeln, Umena, das sind kleine, am Stück frittierte Fische, in einer Tomatenzwiebelsuppe, Talapir, ein etwas größerer Fisch, teilweise trocken-frittiert serviert, teilweise in einer Suppe (Tomate Zwiebel^^). Und dann haben wir noch ein lokales Gemüse, von dem mir niemand den Namen verraten kann, es hat eigentlich eine Konsistenz wie Grünkohl und schmeckt sehr bitter und es gibt Sukuma, das ist ein wenig Spinatartig. Als Variation kann man anstatt von Ugali auch Reis bekommen. Hier wird auch viel Huhn gekocht, natürlich mit Zwiebeln und Tomaten, und es gibt Pommes, ich hätte nie gedacht das frittierte Kartoffelstreifen tatsächlich so schmecken wie unsere Chemiepampe zu Hause, leider werde sie in den Warmhaltetöpfen immer sehr matschig. Mein absolutes Lieblingsgericht ist aber Chapati, mehrmals gefaltete, fettige Teigfladen, naja inzwischen ist meine Leidenschaft aufgrund des Fettgehalts auch schon deutlich geschrumpft. Wir selbst machen uns manchmal einfach Obstsalat und wollen uns auch demnächst mal Milchreis kochen, denn den richtige Reis haben die hier, und Milchreis mit Obstsalat und Schokosoße wäre doch einfach himmlisch oder?

Anbau
Die Bauern bauen hier hauptsächlich Zuckerrohr, Bohnen und Mais an. In der Nähe im Ort Ahero gibt es große Reisfelder. Zwischendurch sehe ich auch manchmal Baumwollfelder, wir haben auch schon versucht mit der Hand Fäden aus der Wolle zu drehen, aber da brauchen wir wohl noch ein wenig Übung. Ich bin ziemlich begeistert von den Mangobäumen, sie sind unglaublich groß und ausladend, keine Ahnung wieso aber ich finde sie wunderschön. am Straßenrand sieht man auch immer Kaktusfrüchte, aber die werden irgendwie nirgendwo verkauft oder gegessen, die mag hier anscheinend keiner. Florence hat einen kleinen Gemüsegarten, um den sich Julius kümmert, da gibt es Zwiebeln und das lokale Gemüse, aber Karotten und Tomaten können wohl auch angebaut werden.

So das ist erstmal alles was mir einfällt, wenn ihr Fragen habt meldet euch doch einfach mal bei mir, ich kann immer Anregungen für Artikel und Projekte gebrauchen…

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