So ihr Lieben,
jetzt habt ihr aber lang genug auf meinen nächsten Eintrag gewartet!
Ich fang einfach mal ganz von vorne an… Die letzten zwei Wochen vor Weihnachten haben Charlotte und ich ein wenig zum Reisen genutzt. Am 11. Dezember sind wir zusammen mit Pamela (Lottes Schulleiterin), unseren großen Rucksäcken und vier Hühnern nach Nairobi aufegebrochen, eine 8-stündige Reise in einem vollen, etwas klappernden Bus (aber wesentlich kompfortabler als ein Matatu^^). Auf der Fahrt sind wir durch das berühmte Rift Valley gekommen, der Ort der als die Wiege der Menschheit bekannt ist. Ein etwa 70 km breiter Talstreifen, der sich von Norden nach Süden durch Kenia zieht. Es war ein berauschender Anblick von den Bergen in diese Landschaft hinab zu fahren und hier habe ich nach meiner wundersamen Begegnung mit der Schildkröte, auch endlich etwas größere afrikanische Tiere gesehen. In der niedrigen Buschlandschaft grasten immer wieder Herden von Springböcken zwischen den großen Kuh- und Ziegenherden der Masai. Auch eine Griaffe konnte ich in der Ferne erspähen. Wir haben auch einen kleine Eindruck des harten Lebens der Masai gekommen, denn es liefen immer wieder Kinder mit großen Kanistern vorbei, die wohl Wasser holen waren. Am Abstand der Wasserlöcher, an denen wir vorbei kamen, konnten wir uns die Zeit und die Arbeit ableiten, dieses für ganze Familien zu holen. Ich habe mich wohl das erste Mal wirklich in Afrika gefühlt… Als wir in Nairobi ankamen und Pamela zu ihrem Matatu zu dem Viertel ihrer Verwandten gebracht hatten, wollten wir uns selbst ein Taxi suchen um zu unserem Hotel zu kommen. Als wir nach dem Preis zu der Straße fragten, grinste uns der Typ nur an und dachte wohl wir würden ihn veräppeln. Er sagte mir wir wären bereits in der Straße und wies zu dem Straßenschild unter dem sein Wagen stand, „Dubois Road“. Ich schaute die Straße hinab und sah auch sofort das groß auf unsere Herberge hinwies, tja mal wieder typisch für mich, das Dorfkind. Dort fanden wir wirklich günstige, saubere Zimmer mit breiten Betten und sogar Moskitonetzen. Auf Wasser mussten wir aber leider in unserer ersten Nacht noch verzichten. Dafür waren wir aber nur 2 Minuten zufuß vom Zentrum entfernt und haben einen wunderbaren Pizzastand gefunden. Die war weit besser als viele Pizzen, die ich in Deutschland gegessen habe. Auch das Internet war von einem, an Lichtgeschwindigkeit grenzenden Tempo, eine wunderbare Abwechselung. Am nächsten Morgen sind Charlotte und ich beide sehr früh aufgewacht und haben einfach mal eine kleine Orientierungsrunde durch die City gedreht, dabei haben wir uns über die vielen geschlossenen Geschäfte gewundert, es war doch Montag. Es war „Jamhuri Day“, der Unabhängigkeitstag Kenias (48 Jahre). Gegen 10 Uhr haben wir uns auf den Weg zu Pamelas Schwester gemacht, die hier in Nairobi wohnt. Wir waren von Pamela zu einer Art Familientreffen eingeladen worden. Wir haben beim Kochen geholfen, uns mit den jungen Frauen, die teilweise halbindischer Herkunft waren, untrerhalten und im Fernsehen die Zeremonie zur Unabhängigkeit verfolgt, es fand eine große Militärparade statt und Moi Kibaki hat eine lange Rede gehalten, eine der längsten in seiner Amtszeit (er ist schon 89 Jahre alt). Erst gegen 4 oder 5 Uhr sind wir wieder ein Stück Richtung City gefahren, in das Viertel in dem der Mann von Madam Betty lebt (eine Lehrerin der Wambischule). Es war kein Slam, aber doch ein ärmliches Viertel. Die Straßen waren nicht befestigt, staubig, vermüllt und stanken, an den Seiten erhoben sich große, graue Blöcke, identisch und doch herrschte hier ein fröhliches buntes Treiben, viele Menschen auf den Straßen, Unmengen von Wäsche, die aus den Fenstern und auf den Balkonen hing, Straßenstände usw. Betty holte uns von der Matatustation ab, doch wir gingen nicht zusammen mit ihr zu ihrer Wohnung, sondern folgten ihr unauffällig in einigem Abstand. Denn hier war die Gafahr von Diebstahl doch recht groß, und wenn die Menschen sahen, dass Betty zwei Weiße (=reich) kannte, konnte es passieren, dass sie Nachts in ihre Wohnung einbrechen würden. In der kleinen Wohnung haben wir dann den Rest des Abends mit den Kindern Rancy, Euphy (Euphresha Mirella) und She (Sherill Angel) gespielt. Ihren Mann haben wir leider noch nicht kennen gelernt, dafür aber eine Freundin, die mit Betty auf dem College war. Sie ist nun Lehrerin in Siaya (das kennt ihr ja inzwischen schon), aus dem Ort stammt übrigens Obamas Vater und seine Omi lebt immer noch dort^^. Wir sind erst spät wieder in die City gekommen und konnten so nur noch kurz viel zu viel überteuertes Fast Food essen, aber in der Nacht konnte ich noch wunderbar mit Freunden schreiben. Das tat sehr gut, sich dabei nicht über das ständig nicht-vorhandene Internet aufzuregen. An einem der nächsten Tage sind wir, nachdem wir mit Betty was in der Stadt gegessen hatten, sind wir wieder aus der Stadt gefahren, zum Tonstudio. Unser Chor aus Masogo hat nämlich eine DVD aufgenommen, hier ist es üblich, das alle CDs mit Tanzvideos oä. aufgenommen werden. In Masogo wurden schon ein paar Aufnahmen gemacht und hier in Nairobi sollten auch noch welche gemacht werden, aber erst einmal musste man sich um den Ton kümmern. Ich war zum Glück nur im Technikraum und nicht im Aufnahmeraum, denn darin war eine nicht auszuhaltende Hitze, schließlich tanzten und sangen sich da seit 10 Uhr morgens 30 bis 40 Personen die Seele aus dem Leib, Lotte ließ sich davon natürlich nicht abhalten, aber dank meines Folterinstruments von Stimme hatte ich ja eine gute Ausrede. Ich scherzte also mit den Technikern herum und las Lottes Luxusartikel, eine „Cosmopolitan“. Als wir abends wieder zurück in die Stadt wollten, war es schon dunkel und es war gar nicht einfach einen leeren Bus zu bekommen. Und unsere Fahrt endete nach 10 Minuten auch abrupt, da uns ein Spiegel abgefahren wurde und sich die Fahrer erst einmal einigen mussten. Doch irgendwie sind wir doch wieder heil nach Hause gekommen. Lotte war in der ganzen Woche noch viel mit dem Chor beim Videoshooting und bei Betty, einmal war ich auch noch einen Tag bei Betty und habe auch ihren sehr netten Mann Patrick kennen gelernt. Doch im Gegensatz zu Lotte wollte ich vorallem auch was von der Stadt sehen und so gingen wir getrennte Wege. Ich habe mir die unglaublich schönen und alten Hotels „Forfolk“ und „the Stanleys“, den Central Park, den City Square und die unglaublich schöne All Saints Cathedral angesehen. Diese war für eine Hochzeit mit weißen und roten Rosen geschmückt, doch außer mir war nur der Organist in der Kirche und probte, so konnte ich über eine Stunde lang einfach dort sitzen und der schönen Musik lauschen. Auch von Außen bot die Kirche einen tollen Anblick, mit ihren zwei Türmen sah sie fast aus wie eine Burg, und die großen schattenspenden Bäume verstärkten diesen Eindruck noch. Meine Stadttour dauerte gut zwei Tage und während ich bei meinem ersten sehr kurzen Besuch bei meiner Ankunft eher ein sehr negatives Bild der lauten Stadt hatte, kehrte sich das Blatt nun. Laut war es trotzdem jede Nacht und der Lärm nahm nur in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 6 Uhr etwas nach (großen Dank an den Erfinder von Oropax^^). Am Samstag wollten wir dann nach dem Einkauf von Weihnachtsgeschenken (etwas seltsam wenn im Kaufhaus Weihnachtslieder laufen, man aber nur ein Top trägt und trotzdem schwitzt) eigentlich unsere Bustickets für die Heimfahrt kaufen. Eine etwas komplizierte Geschichte: Wir sind zum Büro des Busunternehmens „Guardian“ gegangen, mussten aber feststellen, dass der günstige Bus (1100 Shilling), der in der Nacht von Sonntag auf Montag fuhr schon ausgebucht war, der andere wäre 200 Shilling teurer (eigentlich sind das nur 2 Euro), also wollten wir lieber mit „ Easy Coach“ fahren (das selbe Busunternehmen mit dem ich das erste Mal von Nairobi nach Kisumu gefahren bin), denn die Tickets kosteten nur 1000 Shilling. Lotte wollte da vorbei schauen da sie eh noch zu Betty wollte und es auf dem Weg lag. In der Zeit rief uns Johannes aus Nyang’oma an (da wollten wir ja direkt nach Nairobi hin) um uns mitzuteilen, dass wir noch am Sonntagabend kommen müssten, da am Montag die Matatus von Kisumu streiken würden. Lotte musste bei Easy Coach feststellen, dass die Preise gestiegen waren (1350 Shilling) und die Busse am Sonntagmorgen auch erst gegen 9:30 Uhr los fuhren, das war uns etwas zu spät, denn womöglich würden wir dann kein Matatu von Kisumu nach Bondo bekommen. Also bin ich wieder zum Guardian gerannt, nur um festzustellen, dass hier der 9-Uhr-Bus schon ausgebucht war, Lotte war schon bei Betty also musste ich wieder auf die andere Seite der City laufen zu Easy Coach um hier festzustellen, dass hier inzwischen alle Busse für Sonntag ausgebucht waren, also wieder zurück -.- ich habe dann noch Plätze für den 10-Uhr-Bus bekommen. Danach war ich völlig am Ende habe mir eine Pizza geholt (inzwischen war es schon dunkel) und mich mit ein paar Filmen aufs Bett gehockt. Am nächsten Morgen habe ich die Rennerei aber nicht mehr bereut, denn der Bus war unglaublich komfortabel. Mit ein wenig Glück haben wir in Kisumu auch das Matatu nach Bondo bekommen und sind am Sonntag spät heil in Nyang’oma angekommen. Dort wollte wir eigentlich den Luxus von fließendem Wasser weiter genießen, doch das fiel leider am Montag aus und kam vor unserer Abreise auch nicht wieder. So wurde geschleppt, gewaschen, gelacht, gekocht, Teig geknetet, gebacken und gespielt. Zwischendurch sind auch zwei Mädchen aus Lwak von einer anderen Organistation zum Weihnachtsplätzchen backen gekommen. Am 24. Dezember haben Charlotte und ich uns dann wieder auf den Weg nach Hause gemacht. Sie ist von Kisumu aus direkt nach Masogo gefahren und ich habe noch mit meiner Familie und meinem Freund geskypt und eingekauft. Das Skypen tat wirklich gut, auch wenn ich ein wenig geschockt über die bereits sichtbaren Veränderungen meiner genetisch ähnlichen Mitmenschen war. Ich kam leider auf Grund der Menschenmassen die sich durch Kisumu schoben erst nach Einbruch der Dunkelheit und des ersten Regens nach drei Wochen in Masogo an, so das mein Gastbruder mich mit Gummistiefeln und Taschenlampe an der Straßen abholen musste und ich mit den ganzen Tüten erst einmal so richtig durch den Matsch waten musste. Charlotte lag bereits im Bett sie war krank. Im großen Haus erwartete mich dann ein Überraschung, aus einem Farnbaum wurde ein improvisierter Weihnachtsbaum gemacht, von dem aber durch angehängte Luftballons und Papiersterne kaum was zusehen war. Ich musste wohl vor Freude und Heimweh gleichzeitig weinen. Es war wirklich schön die Kinder wieder zusehen und sie haben sich auch unglaublich gefreut, doch ich habe meine Familie auch sehr vermisst und als ich ein wenig später alleine in meiner Hütte mein Paket von Zuhause aufmachen konnte ging erst einmal gar nichts mehr. Da war dann auf einem Schokolade, Spekulatius, Geschenke, Marzipan und das wunderbarste: Omas braune Kuchen, die ich schon beim Keksebacken in Nyang’oma sehr vermisst habe. Am 25. ging es dann früh in die Kirche, sie dauerte unerwartet nicht lang sondern nur 2,5 Stunden und da ich kaum etwas verstanden habe, erschien mir der Gottesdienst auch nicht so anders als sonst. Ich habe euch ja bereits erzählt, dass es hier zwei verschiedene Kollekten gibt, die eine für die Kriche und eine für den Pfarrer, da dieser ja kein Einkommen hat und von dem lebt, was die Leute ihm geben. An dem Tag wollte der Strom für seine Kollekte nicht abreißen, da wurde neben Geld allerhand angeschleppt, Obst, Gemüse, Schalen, Schüsseln, Besen, Hühner… den Rest des Vormittags verbracht man mit „Resting“, wir haben einige Verwandte von Aloyce kennen gelernt, unter anderem die Mütter von Paulus und Lucy (die doch keine Geschwister sind) und Lucys kleine Schwester Michelle, sowie Isaacs Schwester. Wir haben zum Mittag einen riesigen Obstsalat geschnitten und die letzten Geschenken verpackt, beim Maispuhlen geholfen, gegessen und fürs Abendessen gekocht. Lotte und ich haben die Chapatis diesmal ganz allein gebacken, dazu gab es natürlich Huhn. Nach dem Essen gabs dann natürlich von uns einen großen Keksteller und die Bescheerung. Die Kinder bekamen alle ein neues Schreibheft und ein Etui mit Stiften, Linealen etc. für die Schule, Florence eine Bodylotion und einen neuen Kanga und Aloyce einen Kalender und einen Taschenrechner. Außerdem haben wir Florence sowohl mittags als auch abends die unbeschreibliche Freude eines Biers gemacht, sie vergöttert es^^ Alle haben sich wirklich sehr gefreut. Und doch habe ich immer wieder auch an zuhause denken müssen und an den Weihnachtsbaum, den mein Bruder doch tatsächlich mit Kronkorkenketten geschmückt hatte. Den letzten Weihnachtstag hat man sich noch ausgeruht und dann gings los mit dem Mais. Die Kolben wurden zum Compound getragen, getrocknet , in Säcken ordentlcih verprügelt (gedroschen um die Körner zu lösen) und dann abgepuhlt, ich habe Blasen an den Fingern und Sonnenbrand im Nacken. Es wird jeden Tag ziemlich heiß und der Regen kommt immer seltener. Ach ja und als ich ankam, war die Abbruchkante um ca. 10 m länger und gefährlicher, ich werde demnächste mal ein Bild machen und euch den Unterschied zeigen…
Es drückt und vermisst euch
eure kleine Hanne
P.S.: ich werde hier mal meinen Standort angeben und die Markierung direkt auf meine Hütte setzten, dann könnt ihr ja versuchen mal den großen und den kleinen Fluss zu finden, die Wambi etc.
jetzt habt ihr aber lang genug auf meinen nächsten Eintrag gewartet!
Ich fang einfach mal ganz von vorne an… Die letzten zwei Wochen vor Weihnachten haben Charlotte und ich ein wenig zum Reisen genutzt. Am 11. Dezember sind wir zusammen mit Pamela (Lottes Schulleiterin), unseren großen Rucksäcken und vier Hühnern nach Nairobi aufegebrochen, eine 8-stündige Reise in einem vollen, etwas klappernden Bus (aber wesentlich kompfortabler als ein Matatu^^). Auf der Fahrt sind wir durch das berühmte Rift Valley gekommen, der Ort der als die Wiege der Menschheit bekannt ist. Ein etwa 70 km breiter Talstreifen, der sich von Norden nach Süden durch Kenia zieht. Es war ein berauschender Anblick von den Bergen in diese Landschaft hinab zu fahren und hier habe ich nach meiner wundersamen Begegnung mit der Schildkröte, auch endlich etwas größere afrikanische Tiere gesehen. In der niedrigen Buschlandschaft grasten immer wieder Herden von Springböcken zwischen den großen Kuh- und Ziegenherden der Masai. Auch eine Griaffe konnte ich in der Ferne erspähen. Wir haben auch einen kleine Eindruck des harten Lebens der Masai gekommen, denn es liefen immer wieder Kinder mit großen Kanistern vorbei, die wohl Wasser holen waren. Am Abstand der Wasserlöcher, an denen wir vorbei kamen, konnten wir uns die Zeit und die Arbeit ableiten, dieses für ganze Familien zu holen. Ich habe mich wohl das erste Mal wirklich in Afrika gefühlt… Als wir in Nairobi ankamen und Pamela zu ihrem Matatu zu dem Viertel ihrer Verwandten gebracht hatten, wollten wir uns selbst ein Taxi suchen um zu unserem Hotel zu kommen. Als wir nach dem Preis zu der Straße fragten, grinste uns der Typ nur an und dachte wohl wir würden ihn veräppeln. Er sagte mir wir wären bereits in der Straße und wies zu dem Straßenschild unter dem sein Wagen stand, „Dubois Road“. Ich schaute die Straße hinab und sah auch sofort das groß auf unsere Herberge hinwies, tja mal wieder typisch für mich, das Dorfkind. Dort fanden wir wirklich günstige, saubere Zimmer mit breiten Betten und sogar Moskitonetzen. Auf Wasser mussten wir aber leider in unserer ersten Nacht noch verzichten. Dafür waren wir aber nur 2 Minuten zufuß vom Zentrum entfernt und haben einen wunderbaren Pizzastand gefunden. Die war weit besser als viele Pizzen, die ich in Deutschland gegessen habe. Auch das Internet war von einem, an Lichtgeschwindigkeit grenzenden Tempo, eine wunderbare Abwechselung. Am nächsten Morgen sind Charlotte und ich beide sehr früh aufgewacht und haben einfach mal eine kleine Orientierungsrunde durch die City gedreht, dabei haben wir uns über die vielen geschlossenen Geschäfte gewundert, es war doch Montag. Es war „Jamhuri Day“, der Unabhängigkeitstag Kenias (48 Jahre). Gegen 10 Uhr haben wir uns auf den Weg zu Pamelas Schwester gemacht, die hier in Nairobi wohnt. Wir waren von Pamela zu einer Art Familientreffen eingeladen worden. Wir haben beim Kochen geholfen, uns mit den jungen Frauen, die teilweise halbindischer Herkunft waren, untrerhalten und im Fernsehen die Zeremonie zur Unabhängigkeit verfolgt, es fand eine große Militärparade statt und Moi Kibaki hat eine lange Rede gehalten, eine der längsten in seiner Amtszeit (er ist schon 89 Jahre alt). Erst gegen 4 oder 5 Uhr sind wir wieder ein Stück Richtung City gefahren, in das Viertel in dem der Mann von Madam Betty lebt (eine Lehrerin der Wambischule). Es war kein Slam, aber doch ein ärmliches Viertel. Die Straßen waren nicht befestigt, staubig, vermüllt und stanken, an den Seiten erhoben sich große, graue Blöcke, identisch und doch herrschte hier ein fröhliches buntes Treiben, viele Menschen auf den Straßen, Unmengen von Wäsche, die aus den Fenstern und auf den Balkonen hing, Straßenstände usw. Betty holte uns von der Matatustation ab, doch wir gingen nicht zusammen mit ihr zu ihrer Wohnung, sondern folgten ihr unauffällig in einigem Abstand. Denn hier war die Gafahr von Diebstahl doch recht groß, und wenn die Menschen sahen, dass Betty zwei Weiße (=reich) kannte, konnte es passieren, dass sie Nachts in ihre Wohnung einbrechen würden. In der kleinen Wohnung haben wir dann den Rest des Abends mit den Kindern Rancy, Euphy (Euphresha Mirella) und She (Sherill Angel) gespielt. Ihren Mann haben wir leider noch nicht kennen gelernt, dafür aber eine Freundin, die mit Betty auf dem College war. Sie ist nun Lehrerin in Siaya (das kennt ihr ja inzwischen schon), aus dem Ort stammt übrigens Obamas Vater und seine Omi lebt immer noch dort^^. Wir sind erst spät wieder in die City gekommen und konnten so nur noch kurz viel zu viel überteuertes Fast Food essen, aber in der Nacht konnte ich noch wunderbar mit Freunden schreiben. Das tat sehr gut, sich dabei nicht über das ständig nicht-vorhandene Internet aufzuregen. An einem der nächsten Tage sind wir, nachdem wir mit Betty was in der Stadt gegessen hatten, sind wir wieder aus der Stadt gefahren, zum Tonstudio. Unser Chor aus Masogo hat nämlich eine DVD aufgenommen, hier ist es üblich, das alle CDs mit Tanzvideos oä. aufgenommen werden. In Masogo wurden schon ein paar Aufnahmen gemacht und hier in Nairobi sollten auch noch welche gemacht werden, aber erst einmal musste man sich um den Ton kümmern. Ich war zum Glück nur im Technikraum und nicht im Aufnahmeraum, denn darin war eine nicht auszuhaltende Hitze, schließlich tanzten und sangen sich da seit 10 Uhr morgens 30 bis 40 Personen die Seele aus dem Leib, Lotte ließ sich davon natürlich nicht abhalten, aber dank meines Folterinstruments von Stimme hatte ich ja eine gute Ausrede. Ich scherzte also mit den Technikern herum und las Lottes Luxusartikel, eine „Cosmopolitan“. Als wir abends wieder zurück in die Stadt wollten, war es schon dunkel und es war gar nicht einfach einen leeren Bus zu bekommen. Und unsere Fahrt endete nach 10 Minuten auch abrupt, da uns ein Spiegel abgefahren wurde und sich die Fahrer erst einmal einigen mussten. Doch irgendwie sind wir doch wieder heil nach Hause gekommen. Lotte war in der ganzen Woche noch viel mit dem Chor beim Videoshooting und bei Betty, einmal war ich auch noch einen Tag bei Betty und habe auch ihren sehr netten Mann Patrick kennen gelernt. Doch im Gegensatz zu Lotte wollte ich vorallem auch was von der Stadt sehen und so gingen wir getrennte Wege. Ich habe mir die unglaublich schönen und alten Hotels „Forfolk“ und „the Stanleys“, den Central Park, den City Square und die unglaublich schöne All Saints Cathedral angesehen. Diese war für eine Hochzeit mit weißen und roten Rosen geschmückt, doch außer mir war nur der Organist in der Kirche und probte, so konnte ich über eine Stunde lang einfach dort sitzen und der schönen Musik lauschen. Auch von Außen bot die Kirche einen tollen Anblick, mit ihren zwei Türmen sah sie fast aus wie eine Burg, und die großen schattenspenden Bäume verstärkten diesen Eindruck noch. Meine Stadttour dauerte gut zwei Tage und während ich bei meinem ersten sehr kurzen Besuch bei meiner Ankunft eher ein sehr negatives Bild der lauten Stadt hatte, kehrte sich das Blatt nun. Laut war es trotzdem jede Nacht und der Lärm nahm nur in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 6 Uhr etwas nach (großen Dank an den Erfinder von Oropax^^). Am Samstag wollten wir dann nach dem Einkauf von Weihnachtsgeschenken (etwas seltsam wenn im Kaufhaus Weihnachtslieder laufen, man aber nur ein Top trägt und trotzdem schwitzt) eigentlich unsere Bustickets für die Heimfahrt kaufen. Eine etwas komplizierte Geschichte: Wir sind zum Büro des Busunternehmens „Guardian“ gegangen, mussten aber feststellen, dass der günstige Bus (1100 Shilling), der in der Nacht von Sonntag auf Montag fuhr schon ausgebucht war, der andere wäre 200 Shilling teurer (eigentlich sind das nur 2 Euro), also wollten wir lieber mit „ Easy Coach“ fahren (das selbe Busunternehmen mit dem ich das erste Mal von Nairobi nach Kisumu gefahren bin), denn die Tickets kosteten nur 1000 Shilling. Lotte wollte da vorbei schauen da sie eh noch zu Betty wollte und es auf dem Weg lag. In der Zeit rief uns Johannes aus Nyang’oma an (da wollten wir ja direkt nach Nairobi hin) um uns mitzuteilen, dass wir noch am Sonntagabend kommen müssten, da am Montag die Matatus von Kisumu streiken würden. Lotte musste bei Easy Coach feststellen, dass die Preise gestiegen waren (1350 Shilling) und die Busse am Sonntagmorgen auch erst gegen 9:30 Uhr los fuhren, das war uns etwas zu spät, denn womöglich würden wir dann kein Matatu von Kisumu nach Bondo bekommen. Also bin ich wieder zum Guardian gerannt, nur um festzustellen, dass hier der 9-Uhr-Bus schon ausgebucht war, Lotte war schon bei Betty also musste ich wieder auf die andere Seite der City laufen zu Easy Coach um hier festzustellen, dass hier inzwischen alle Busse für Sonntag ausgebucht waren, also wieder zurück -.- ich habe dann noch Plätze für den 10-Uhr-Bus bekommen. Danach war ich völlig am Ende habe mir eine Pizza geholt (inzwischen war es schon dunkel) und mich mit ein paar Filmen aufs Bett gehockt. Am nächsten Morgen habe ich die Rennerei aber nicht mehr bereut, denn der Bus war unglaublich komfortabel. Mit ein wenig Glück haben wir in Kisumu auch das Matatu nach Bondo bekommen und sind am Sonntag spät heil in Nyang’oma angekommen. Dort wollte wir eigentlich den Luxus von fließendem Wasser weiter genießen, doch das fiel leider am Montag aus und kam vor unserer Abreise auch nicht wieder. So wurde geschleppt, gewaschen, gelacht, gekocht, Teig geknetet, gebacken und gespielt. Zwischendurch sind auch zwei Mädchen aus Lwak von einer anderen Organistation zum Weihnachtsplätzchen backen gekommen. Am 24. Dezember haben Charlotte und ich uns dann wieder auf den Weg nach Hause gemacht. Sie ist von Kisumu aus direkt nach Masogo gefahren und ich habe noch mit meiner Familie und meinem Freund geskypt und eingekauft. Das Skypen tat wirklich gut, auch wenn ich ein wenig geschockt über die bereits sichtbaren Veränderungen meiner genetisch ähnlichen Mitmenschen war. Ich kam leider auf Grund der Menschenmassen die sich durch Kisumu schoben erst nach Einbruch der Dunkelheit und des ersten Regens nach drei Wochen in Masogo an, so das mein Gastbruder mich mit Gummistiefeln und Taschenlampe an der Straßen abholen musste und ich mit den ganzen Tüten erst einmal so richtig durch den Matsch waten musste. Charlotte lag bereits im Bett sie war krank. Im großen Haus erwartete mich dann ein Überraschung, aus einem Farnbaum wurde ein improvisierter Weihnachtsbaum gemacht, von dem aber durch angehängte Luftballons und Papiersterne kaum was zusehen war. Ich musste wohl vor Freude und Heimweh gleichzeitig weinen. Es war wirklich schön die Kinder wieder zusehen und sie haben sich auch unglaublich gefreut, doch ich habe meine Familie auch sehr vermisst und als ich ein wenig später alleine in meiner Hütte mein Paket von Zuhause aufmachen konnte ging erst einmal gar nichts mehr. Da war dann auf einem Schokolade, Spekulatius, Geschenke, Marzipan und das wunderbarste: Omas braune Kuchen, die ich schon beim Keksebacken in Nyang’oma sehr vermisst habe. Am 25. ging es dann früh in die Kirche, sie dauerte unerwartet nicht lang sondern nur 2,5 Stunden und da ich kaum etwas verstanden habe, erschien mir der Gottesdienst auch nicht so anders als sonst. Ich habe euch ja bereits erzählt, dass es hier zwei verschiedene Kollekten gibt, die eine für die Kriche und eine für den Pfarrer, da dieser ja kein Einkommen hat und von dem lebt, was die Leute ihm geben. An dem Tag wollte der Strom für seine Kollekte nicht abreißen, da wurde neben Geld allerhand angeschleppt, Obst, Gemüse, Schalen, Schüsseln, Besen, Hühner… den Rest des Vormittags verbracht man mit „Resting“, wir haben einige Verwandte von Aloyce kennen gelernt, unter anderem die Mütter von Paulus und Lucy (die doch keine Geschwister sind) und Lucys kleine Schwester Michelle, sowie Isaacs Schwester. Wir haben zum Mittag einen riesigen Obstsalat geschnitten und die letzten Geschenken verpackt, beim Maispuhlen geholfen, gegessen und fürs Abendessen gekocht. Lotte und ich haben die Chapatis diesmal ganz allein gebacken, dazu gab es natürlich Huhn. Nach dem Essen gabs dann natürlich von uns einen großen Keksteller und die Bescheerung. Die Kinder bekamen alle ein neues Schreibheft und ein Etui mit Stiften, Linealen etc. für die Schule, Florence eine Bodylotion und einen neuen Kanga und Aloyce einen Kalender und einen Taschenrechner. Außerdem haben wir Florence sowohl mittags als auch abends die unbeschreibliche Freude eines Biers gemacht, sie vergöttert es^^ Alle haben sich wirklich sehr gefreut. Und doch habe ich immer wieder auch an zuhause denken müssen und an den Weihnachtsbaum, den mein Bruder doch tatsächlich mit Kronkorkenketten geschmückt hatte. Den letzten Weihnachtstag hat man sich noch ausgeruht und dann gings los mit dem Mais. Die Kolben wurden zum Compound getragen, getrocknet , in Säcken ordentlcih verprügelt (gedroschen um die Körner zu lösen) und dann abgepuhlt, ich habe Blasen an den Fingern und Sonnenbrand im Nacken. Es wird jeden Tag ziemlich heiß und der Regen kommt immer seltener. Ach ja und als ich ankam, war die Abbruchkante um ca. 10 m länger und gefährlicher, ich werde demnächste mal ein Bild machen und euch den Unterschied zeigen…
Es drückt und vermisst euch
eure kleine Hanne
P.S.: ich werde hier mal meinen Standort angeben und die Markierung direkt auf meine Hütte setzten, dann könnt ihr ja versuchen mal den großen und den kleinen Fluss zu finden, die Wambi etc.