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Donnerstag, 5. April 2012

Die letzten Monate Sorry für die Verspätung


Hallo ihr Lieben,
erst einmal tut es mir Leid, dass ich mich über einen so langen Zeitraum nicht gemeldet habe. Ich werde versuchen die Zeit hier so gut wie möglich auf zu arbeiten, doch irgendwann wird einem doch langweilig. Ich hoffe es ist ok, wenn ich mir nicht ganz soviel Mühe gebe und dafür in der näcshten Zeit wieder mehr schreibe. Dazu müsst ihr wissen, dass ich gerade in dieser Zeit einen Tiefpunkt hatte, den ich euch nicht spüren lassen wollte, also seid bitte nicht geschockt, wenn ihr das lest, denn jetzt geht es mir wieder gut. Mein Mutter und meine Tante hatten ja bis zu unserem Flug nach Nairobi geschrieben. Schon als die beiden bei mir in der Schule und in der Gastfamilie waren, fiel meine Stimmung drastisch. Durch die Fragen und Kommentare der beiden, habe ich realisiert wie unwohl ich mich eigentlich gefühlt habe. Ich bin immer so schnell wie möglich aus der Schule gekommen und habe mich auch bei der Gastfamilie sehr zurück gezogen. Ich war die ewigen Diskussionen ums Schlagen und die sture und nahezu dumme Argumentation der Lehrer so satt, ich war es satt als eine Vollzeitlehrerin behandelt zu werden und unter dem Druck zu stehen diese Erwartungen zu erfüllen, ich war es satt, dass meine Projektpartnerin sich überhaupt nicht für mich interessiert hat und ich quasi völlig allein war, ich war es satt ständig mit ihr und ihren super Sprachkenntnissen verglichen zu werden und ich hatte ziemliches Heimweh. Natürlich kamen dann jeden Tag noch andere Kleinigkeiten dazu, sodass ich als Mama und Marle hier waren, ziemlich zusammen gebrochen bin und nur mit großer Angst auf die zweite Hälfte des Freiwilligendienstes schauen konnte. Eigentlich wollte ich am liebsten mit den beiden nach Hause. Als wir dann wieder nach Nairobi gefahren sind um Lars abzuholen, war es für mich wie eine Flucht aus dem Projekt heraus, ich war froh endlich weg zu kommen.
Die restliche Zeit mit meiner Mutter und meiner Tante und später auch mit Lars konnte ich trotzdem sehr genießen. Bitte denkt nicht, dass das alles total bescheuert war und mich nur herunter gezogen hat. Gerade die Gespräche etc. haben mir geholfen aus dem Loch wieder heraus zu kommen.
In Nairobi habe ich dann Lars vom Flughafen abgeholt und wir haben uns noch zwei schöne Tage in der Stadt gemacht, an dem einen (mit der langen Suche nach dem Matatu) haben wir eine Kaffeeplantage in der Nähe der Stadt besucht. Nahe der Plantage gibt es eine Art Park mit Ponyreiten (arme abgemagerte Tiere), Kamelreiten (das Tier haben wir gesehen, aber reiten ließ uns keiner) und einem wunderschönen Wasserfall, mit einer dahinterliegenden, durch enge Tunnel zu erreichende natürliche Höhlen, in der sich in unruhigen Zeiten Rebellen versteckt haben. Durch ein schluchtartiges Tal schlängelte sich der kleine Bach dann bis zu einem See auf den man sogar raus rundern konnte. Lars war an dem Tag ziemlich geschafft durch das heiße Wetter (es war sein erster Tag) und hat sich auch sofort einen Sonnenbrand geholt. Doch Mamas Aktivität konnte nichts bremsen, nach der kleinen Kletterei ging es gleich weiter, die Produktion von Kaffee anschauen und welchen kaufen. Auch wenn wir sie so manches Mal verflucht haben, war es doch ein verdammt schöner Tag.
Kurz danach ging es los in den Amboseli Nationalpark, morgens um sieben wurden wir von unserem Fahrer abgeholt und nach einem einstündigen Herumirren des mombasanischen Fahrers hat er dann auch den Weg aus der Stadt gefunden. Ungefähr 7 Stunden sind wir durch die weite afrikanische Savanne gefahren, wobei diese in den letzten zwei Stunden von dem königlichen Gipfel des Kilimanjaro gekrönt wurde, der durch die Wolken schaute. Die letzten 20 Minuten der Fahrt haben wir auf einer Schotterpiste verbracht, auf der uns durch alle Ritzen des Matatus (und das waren viele) feiner Sand in Mund und Nase quoll. Doch dann waren wir auch „schon“ da. Unsere Lodge lag quasi direkt vor dem Tor des Nationalparks und war wunderschön. Zur Begrüßung gab es erst einmal ein kühles, feuchtes Handtuch und einen frischen Fruchtsaft. Untergebracht waren wir in Luxuszelten, die mit zwei Betten, Waschbecken, Dusche und Toilette ausgestattet waren. Und stellt euch vor: es floß sogar Wasser. Die bequemen Stühle an der offenen Bar und im luftigen Speiseraum waren mit den schönen roten Masaistoffen bezogen, es gab zum Essen internationale und afrikanische Küche und dazu immer frisches Obst und im Pool habe ich mich nach den letzten 4 Monaten endlich wieder richtig frisch gefühlt. Am nächsten Tag ging es dann schon vor Sonnenaufgang los um genau den im Park beobachten zu können. Im Park konnte ich dann endlich all die Tiere sehen, die ich vorher schon so schmerzlich vermisst habe. Es gab riesige Elefantenherden, Hyänen sprangen vor uns über die Straße, nach einem Mataturennen (ca. 20!!! von denen rasten zu einer Stelle) lief eine Löwin gelangweilt, keine 5 Meter vor dem ersten Wagen, über den Weg und ein Stück weiter, wo etwas höheres Gras stand um dort ihre herausspringenden 3 Jungen zu begrüßen, beim Lunch konnten wir von einem Hügel aus Tierherden zu dem Fluss und seinem breiten grünen Ufer ziehen sehen, Hippos, Giraffen, Gnus, Büffel, Antilopen… In der Mittagshitze konnte man auch toll Windhosen  beobachten, die sich überall in der Ebene wie Säulen aus Sand in den Himmel erhoben, anschwollen, nur um dann ganz plötzlich zu zerreißen und innerhalb von Sekunden komplett zu verschwinden.
Am nächsten Morgen ging es nach einem gemütlichen Frühstück auch schon wieder los. Es war wirklich schön, dass mal gesehen zu haben, aber mehr als einmal muss man es nicht gemacht haben. Die Touren mit Mama und Marle auf Fahrrädern fand ich doch deutlich schöner, auch wenn man da vielleicht nicht ganz so viele Tiere sieht.  Allerdings tat mir der Luxus schon sehr gut, ich meine man hat schon ein kleines schlechtes Gewissen, aber ich denke ich hab es mir dann doch irgendwie auch verdient^^. Wir sind nur ein Stück nach Nairobi gefahren, bis nach Emali, dort haben wir Mama und Marle in ein Matatu verfrachtet. Nach dem wir ewig auf eins gewartet hatten, musste dann als es da war plötzlich alles ganz schnell gehen, etwas zu schnell für mich, so war ich auf dem Rest der Fahrt nach Mombasa doch recht niedergeschlagen. Weitere 6 Stunden ging es nun nach Osten und nach der Zeit konnte ich es kaum erwarten nach der nächsten Hügelkette das Meer zu sehen. Es waren verdammt viele Hügelketten und das Meer hab ich erst gesehen, als es direkt neben mir war, als wir nämlich über die Brücke auf die Mombasa-Insel gefahren sind.
Lars und ich habe zwei Tage in Mombasa, als Stadt verbracht, uns das Fort Jesus (ein altes und wunderschönes Portugiesenfort) und die italienisch anmutende Altstadt angeschaut und geschwitzt. Ich dachte ja Kisumu wäre warm, aber Mombasa hat es noch weit übertroffen (Mama und Marle: ihr hattet keinen Grund euch über Temperaturen zu beschweren^^). Wir haben die Mittagszeit immer möglichst im Hotelzimmer mit der aus 17°C eingestellten Klimaanlage verbracht. Nach dem Aufenthalt in der Stadt ging es ca. 40 Kilometer nach Süden, an den Diani Beach. In einem kleinen „Camp“ haben wir ein billiges und kleines Zimmer mit Bad bekommen, dort wollten wir uns ja eh nicht viel aufhalten, denn es waren nur 100 Meter runter zum Strand. Weißer Sand, Kokospalmen, blauer Himmel, türkieses Wasser mit kleinen, hölzernen Fischbooten. Es war wirklich wunderschön. Am nächsten Tag haben wir uns auch gleich Schnorchel gekauft und Flossen geliehen und uns in der Mittagshitze 2 Stunden lang in der ruhigen Unterwasserwelt verirrt… und uns natürlich sofort verbrannt. Ich wurde aufgrund meiner schon ein wenig gebräunten Haut geschont, doch Lars kalkweißer Rücken hats voll erwischt (nun krebsrot). Dementsprechend schauten wir der vorschnell für den nächsten Tag gebuchten Schnorchelexursion skeptisch entgegen. Letztendlich haben wir sie doch gemacht und ich fand sie echt schön: es ging eine Stunde lang an der Küste nach Süden (leider in einem Matatu) und im Hafen des kleinen Fischerdorfs Shimoni auf eine Dhou (ein Segelboot zum Fischen). Wir waren nicht allein, es waren noch ein paar Franzosen und nervige Italiener dabei, aber es war auszuhalten ;) Vor der Küste lag das Wasini Island und in der Passage zwischen Insel und Festland konnten wir kleine Delfinherden beobachten, die uns ab und zu ihre Finnen haben sehen lassen (zum Thema nervige Italiener: FLIPPA FLIPPA). Leider haben wir keine Segel gesetzt, sondern sind mit Motor gefahren. Auf dem Weg zum Marine Nationalpark gings an kleinen Inselchen vorbei, die, wie auf dem Kopf stehende Dreiecke, aus dem Meer schauten, da das Wasser ihre Küsten so ausgehöhlt hatte. Im Marine Park, einem Korallenriff konnten wir eine Zeit lang quer über das Riff tauchen und u.a. die Bekanntschaft mit Nemo und Dori und blauen (!!!) Seesternen machen. Auf dem Wasini Island gab es ein leckeres Lunch (Krebs und Fisch, Seegras und komische Wurzeln, Chapati und Kokossoße. Auf einem Gang über Teile der Insel (7 km lang, 5km breit) konnten wir eine Wiese mit Korallen darauf bestaunen. Früher lag der Meeresspiegel höher und als er sank hat er diese Überreste hinterlassen. Noch heute wird das Gebiet teilweise von der Flut überschwemmt, darum wachsen zwischen den abstrakten Formen Mangroven und das bereits verspeiste Seegras. Es war trotz der Sonne (Lars war im T-Shirt tauchen) ein echt tolles Erlebnis.
Leider ging auch die Zeit am Meer viel zu schnell vorbei und unsere Reise zurück nach Kisumu stand vor der Tür. Es sollte ein Horrortrip werden. Doch zuerst ging es nach Mombasa zurück. Dort habe ich endlich auf einem Markt, die von Mama auf der ganzen Reise so schmerzlich vermisste Gewürze gefunden. Eine ganze Zeit musste ich mit dem Inder um den Rieseneinkauf handeln, während Lars langsam anfing zu drängeln, denn ihm wurde alles Mögliche angedreht. Es fing an mit Macadamianüssen und endete bei Drogen^^ Inzwischen hat meine Mama die Sachen auch bekommen und es hat sich wohl gelohnt (sind die Tongabohnen bei dir angekommen Marle? Ich habe den Indern durch den halben Markt gejagt, weil ich die unbedingt wollte^^).
Abends ging es dann in den Bus nach Kisumu, vor uns lagen 15 Stunden Busfahrt und wir Trottel haben vergessen unsere Pullover mitzunehmen. Glaubt mir es war wirklich bescheuert, du sitzt da um 10 Uhr abends und frierst und weißt genau, dass es noch die ganze Nacht so weiter geht. Und diese blöden Busse haben echt verdammt viele Ritzen, Spalten und klemmende Fenster durch die es durch zieht. Naja, in Nairobi wollten wir schauen, ob wir ans Gepäck kommen, doch dummerweise hab ich es verschlafen und Lars hat sich dort auf der Toilette so krass den Finger aufgeschnitten, das er bei der Suche nach irgendeinem Erst-Hilfe-Kasten und der Kraftanstrengung nicht zu verbluten, leider nicht mehr dran gedacht hat (ich habe auch die Katastrophe verschlafen, aber es war ungefähr die einzige halbe Stunde in der ich Schlaf gefunden habe). Hinzu kam noch, dass wir uns beide in den letzten Tagen mit irgendwas den Magen verstimmt hatten und der blöde Bus eine Strecke genommen hat, die verdammt schlecht ausgebaut war (jaaa es gibt hier nämlich von Großstadt zu „Großstadt“ auch gute Straßen). Gegen 7 Uhr morgens sind wir in Kisumu angekommen und haben erst mal was gefrühstückt und uns in dem zum Restaurant gehörenden Hotel erstmal frischmachen dürfen. Da konnte ich mich auch erstmal richtig um Lars‘ Finger kümmern. Wir mussten dann noch auf Father Ben warten, denn der wollte noch etwas mit mir wegen Visa klären. Gegen Mittag konnten wir dann endlich Richtung Masogo abzischen und dort völlig fertig, aber erleichtert ins Bett kippen. Später wurde beim Kochen geholfen und Lars hat erstmal wunderbar mit meinem Gastbruder Tonny Fußball gespielt. So gehört sich das schließlich in Afrika…
Wir sind an einem Dienstag nach Hause gekommen (21.02.) und am Mittwoch ist Lars dann auch schon mit mir in die Schule gekommen und hat alle kennen gelernt. Viel zu tun gabs in der Zeit nicht, die Midterm-Examen geschrieben wurden. Am darauffolgenden Wochenende sind wir wieder zu Julia und Johannes, den zwei anderen Kolping-Freiwilligen nach Nyang’oma gefahren. Die Jungs waren Fußball spielen, es wurde Gekocht, Musik gehört (wir wollten von Lars doch schließlich wissen, was denn zuhause grad so lief), Filme geschaut, Volleyball gespielt, Kokosnüsse wurden geerntet usw. In der nächsten Woche musste ich erneut durch ein Tief, ausgelöst durch einen Vorfall der mich einfach tierisch wütend gemacht, da er für soviel steht, was hier manchmal falsch läuft. Die Kinder hatten ein Examen geschrieben und ich habe wie immer nochmal durchgesehen, ob denn auch der Lösungsbogen stimmt und sich nirgendwo im Frageblatt Fehler eingeschlichen haben. Ich habe doch noch einen gefunden, dabei sollte der Bogen eigentlich bereits von der Aufsichtsperson gecheckt worden sein. Alle meine Schüler hatten die Frage richtig beantwortet, aber die Punkte dafür nicht bekommen. Ich habe es korrigiert und nach den Listen gefragt, um sie zu verbessern. Ich durfte es nicht, denn die Listen seien bereits kopiert worden, den Aufwand können ich jetzt nicht mehr machen. Damals hat es mich tierisch wütend gemacht, den oft sind es nur ein paar kleine Punkte, die entscheiden ob ein Kind geschlagen wird oder nicht. Ich habe mich so hilflos gefühlt, so einsam, so unverstanden. Ich meine als Lehrer will man doch, dass die Schüler gut sind und ich finde man sollte ihnen alle ihre Punkte auch zugestehen. Auch meine Standpauke wieso denn niemand den Bogen kontrolliert habe, stieß auf taube Ohren. Während mir vorher immer gesagt wurde, ich müsse als die Aufsichtsperson in irgendeinem Examen AUF JEDEN FALL die Bögen kontrollieren, hieß es nun plötzlich NEIN WIE KÄME ICH DEN DARAUF, das ist doch Aufgabe des Fachlehrers (in diesem Falle ich). GRRRR! Ich habe mich im Office eingeschlossen und musste erstmal heulen. Natürlich habe ich damals völlig überreagiert, auch aus anderen Gründen (Übermüdung, die Einsamkeit, das Heimweh, die Enttäuschung über mich selbst, darüber eigentlich weg zu wollen, alles zusammen). Das hat auch dazu geführt, dass ich schon wieder recht schnell geflohen bin. Julia und Johannes wollten vor unserem Zwischenseminar in Tansania noch ein paar Tage nach Nairobi und Lars und ich entschlossen kurzfristig sie zu begleiten und so sind wir am Mittwoch schon wieder losgefahren. Von dem Vorfall habe ich mich aber schon vorher wieder abgeregt. Ich war zwischendurch bei Mildred (einer Shopkeeperin aus Masogo) und Elisha  zum Lunch und konnte wunderbar mit denen reden, auch Lars hat mich beruhigt und mir Mut gemacht. Inzwischen bin ich fast immer in der Mittagspause bei Mildred und sie ist mir eine wunderbare Freundin geworden, mit der ich einfach ständig nur lachen muss.
Also in Nairobi wurde gegessen, geshoppt, gegessen und geshoppt^^ Es gibt dort echt ganz schöne, günstige Kleidung und ach ganz gutes Essen, wenn man weiß wo. Bei einem echt coolen Äthiopier, ich glaube er wurde schon löblich erwähnt, wurde zusammen was getrunken und auch mal Shisha geraucht, auf dem Souvenirmarkt die ersten Mitbringsel für Zuhause gekauft (Lars musste sie dann nach Deutschland schleppen) und wir haben uns auch den Luxus gegönnt, das berühmte Carnivore zu besuchen. Letztendlich ein Nobelgrillhaus: Zur Vorspeise Suppe mit Brot und dann wurde dir eine Platte mit Soßen auf den Tisch gestellt, in regelmäßigen Abständen kamen Köche mit heißem Fleisch auf einem Spieß frisch vom Grill vorbei und haben es dir direkt auf den Teller geschnitten und die dazu gedachte Soße gewiesen. Doch das Besondere kommt noch, es war nicht nur Huhn und Schwein: es gab auch Rind, Lamm, Ochsenhoden, Strauß und Alligator in allen möglichen Varianten. Wir haben uns wirklich ordentlich überfressen. Das im angegebenen Preis leider keine Steuern enthalten waren, gab allem irgendwie schon einen bitteren Nachgeschmack, doch es war es schon echt wert!!! Abends wollten wir noch einen Club aufsuchen und nachdem wir durch zwei relativ leere Bars gestreift waren (Donnerstag abend) haben wir doch noch einen gefunde… und wurden aufgrund von Flipflops an den Füßen nicht rein gelassen^^ Am Sonntag ist Lars dann leider auch schon wieder nach Hause geflogen und ich musste am Montagmorgen nach Tansania aufbrechen. Am späten Nachmittag habe ich dann Julia und Joahannes in Moshi wieder getroffen (die hatten Nairobi für eine Safari früher verlassen) und mit denen sind wir dann auch zu meinem Gastvater Alyoce, zwei Tansanies und unserer Kolping-Seminarleiterin Linda (recht blass^^ frisch aus Deutschland) gestoßen. Unsere Unterkunft war ein nettes, sauberes und groß angelegtes Guesthouse mitten in Moshi. Das Seminar fing erst am Dienstagnachmittag an und so konnten wir noch ein wenig durch die Stadt streifen und gegen Mittag auch die anderen Freiwilligen aus Tansania begrüßen und uns mit ihnen Austauschen. Ich werde hier nicht groß auf das Seminar eingehen, es hatte sein Hoch- und Tiefpunkte, gerade Reflektionen haben mich natürlich nur noch trauriger gestimmt, aber ich konnte mich mit den anderen austauschen, neuen Mut, Kraft und Ideen sammeln, mich mit Lotte aussprechen etc. Wir waren an einem Tag auch noch in einem Waisenhaus, relativ sinnfreie Aktion, ein paar Hilfsgüter vorbeigebracht und auf Zwang eine Stunde mit den Kindern gespielt, doch immerhin ist dabei mein schönes neues Facebookprofilbild entstanden. Zwischendurch haben wir mit den Freiwilligen aus Fiji geskypt, da es dort wohl ein paar Probleme gab und die kein richtiges Zwischenseminar hatten. Ein guter Freund von mir dort hat leider auch abgebrochen und so habe ich auch privat noch mit denen sprechen können. Das tat echt gut, denn die konnten mich mit meinem Heimweh doch um einiges besser verstehen, als die meisten der Afrikafreiwilligen. An einem Tag ging es natürlich auch in Moshi tanzen und am Sonntagmittag ging es mit allen Kenianern wieder zurück nach Kisumu. Ich habe von meinen Tansaniareiseplänen abgesehen, um nicht noch länger aus dem Projekt zu verschwinden, denn langsam wurde es dreist und ich wollte doch schließlich auch was erreichen. Auf der Busfahrt hatte ich diesmal einen Pullover dabei und gegen 6 Uhr morgens sind wir in Masogo angekommen. Lotte ist doch tatsächlich sofort in die Schule gegangen, doch dazu reichte auch meine neu getankte Kraft nicht… ich bin ins Bett! Später standen dann Hausarbeiten an, wie z.B: Waschen, kochen, abwaschen, aufräumen, fegen etc. Noch am selben Nachmittag kam eine Mitfreiwillige aus Lottes Workcamp und so kam es das ich auch nun nicht viel von ihr sah^^ In der Schule kam schnell der Alltag zurück mit Unterrichten, Vorbereiten, Plakate malen. Ich habe Mildred und Elisha häufig im Shop besucht oder mit ihnen zu Mittag gegessen. Es standen Games an, also die Schulen die in Handball, Volleyball, Netball und Fußball gegeneinander spielten. Erst eben nur Schulen gegeneinander, dann die Bases, Zonen und zum Schluss die Districte. Bei diesen Ereignissen habe ich immer mal wieder vorbeigeschaut, auch wenn unsere Schule leider nicht gespielt hat (unsere Schüler sind noch zu jung). Nächstes Wochenende gibt es wieder irgendwelche Finale in Mombasa und es werden sogar 3 Schüler aus der Wambi (Lottes Schule) mitfahren. In der Freizeit wurde viel Wasser geholt, beim kochen geholfen, gewaschen oder einfach mit den Kindern im Fluss gebadet (inzwischen fast jeden Tag). Inzwischen hat der Regen angefangen und man muss nicht mehr soviel Wasser holen. Ich habe auch Betty (eine Lehrerin von Lotte) nochmal besucht und mir zwischendurch Rastas flechten lassen (die sind leider voll schnell raus gerutscht). An einem Wochenende bin ich endlich dazu gekommen unseren Schulmanager Ambrose zu besuchen. Er selbst ist auch noch Schulleiter an einer staatlichen Schule und hat einige Reisfelder. Diese hat er mir dann auch gleich gezeigt. Aufgrund der benötigten Feuchtigkeit kann man natürlich nicht überall Reis anbauen. In diesem Gebiet erstrecken sich die Reisfelder dann in einer großen verbundenen Fläche, durchzogen von den Bewässerungsgräben, in denen Kinder planschen und durch die wenigen Bäume weht ein frischer, kräftiger Wind, zu dem Kinderlachen gesellt sich noch Vogelgezwitscher und schon fühlt man sich wunderbar. Mir wurden auch die großen Pumpen gezeigt, die das Flusswasser auf die gut dutzend Quadratkilometer große Fläche befördern (übrigens aus Deutschland). Es war echt verdammt interessant. Die jungen Reistriebe werden im übrigen alle einzeln von den Kindern in den Boden gesetzt. Ich will nicht weiter darauf eingehen, dass kann ich euch auch alles in Deutschland erzählen, dann bring ich euch auch echten Aheroreis mit^^ Ich hatte ja auch schon erzählt, dass die Regenzeit wieder angefangen hat. Die wurde von einem krassen, plötzlichen Unwetter eingeläutet. Lotte war am Fluss waschen und die Kinder baden, als es anfing krass zu regnen, nach 10 Minuten gesellte sich dann auch noch schöner Hagel dazu. Ich habe es nicht für möglich gehalten. Und die Körner waren weit aus größer als normalerweise in Deutschland. Auf Nachfrage erfuhr ich auch, dass der wohl jedes Mal zum Anfang der Regenzeit kommt. Ich bin Lotte entgegen gerannt um ihr Sachen abzunehmen, da kamen auch schon die Kinder panisch schreiend vor Angst und Schmerz. Innerhalb von Sekunden war ich völlig durchnässt und mit Kindern auf dem Arm läuft es sich auch nicht sonderlich schnell, vorallem wenn man gegen den Wind muss.
Dann stand ja auch noch mein Geburstatag an. Lotte hatte die Nacht in Masogo verbracht, so bin ich ganz allein aufgewacht, ohne eine einzige Gratulation und es hat mich schon ein wenig runter gezogen. In der Schule habe ich ein wenig Saft an die Lehrer verteilt und Süßigkeiten an die Schüler und alle waren voll lieb, aber mir fehlte das liebevolle Wecken durch meine Mutter, die Kerzen und Frühlingsblumen auf dem Frühstückstisch, all der kitschige Kram eben. Mildred und Elisha waren aber auch voll lieb. Als ich nach Hause kam wurde ich dann allerdings doch noch überrascht. Florence kochte ein superleckeres Huhn mit Chapatis und Aloyce hatte extra Früchte für Obstsalat mitgebracht. Nach dem Essen kamen dann Lotte und Biata mit einem Kuchen (mit Geburtstagskerzen), Keksen, Muffins und einem kleinen Geschenk herein. Ein kleines Notizbuch in dem jedes Kind eine Seite gestaltet hatte. Eine tolle Erinnerung, die ich noch erweitern werde. Letztes Wochenende wurde der Geburtstag auch noch mit den anderen deutschen Freiwilligen in Kisumu gefeiert. Lotte war leider nicht dabei, denn eine Bekannte von uns hatte einen schweren Matatuunfall und lag im Krankenhaus. Sie war quasi Lottes zweite Gastmutter aus ihrem Workcamp und sie wollte sie nicht allein lassen. Man sollte echt nicht darüber nachdenken wie gefährlich der Verkehr hier ist…
Nun ja ich war mit Julia und Johannes und 3 weiteren Mädels im Laughing Buddha, einem tollen Inder was essen und dann waren wir in der darüberliegenden Launch auch schon eine Kleinigkeit trinken. Als wir wieder ins freie kamen fing es grad tierisch an zu regnen und zu gewittern. Das Unwetter war genau über uns und der Donner ohrenbetäubend laut. Unter den alten Vorbauten der im kolonialstil errichteten Häuser konnten wir die Blitze in die umliegenden Gebäude einschlagen und die Funken aus den Stromleitungen sprühen sehen. Allerdings konnten wir wegen geplatzten Trommelfellen nichts mehr hören (zumindest hat es sich so angefühlt). Im Sooperguesthouse, der Unterkunft der drei anderen Mädchen haben wir dann auf das unwahrscheinliche Ende des Sturms gewartet und Johannes hat uns ein paar Dancemoves beigebracht. Es gesellten sich auch zwei Inder dazu. Bald stellte sich heraus, dass diese beiden ein Auto hatten und sie waren bereit uns zum Duke (unserer Unterkunft und dem Ort unserer Silvesterfeier) zu bringen, die anderen waren schon müde und so sind nur Julia, Johannes und ich gefahren. Wir hatten gehofft, dass auf der überdachten Dachterrasse was los wäre, doch dem war leider nicht so. Also haben wir uns von den Indern mitschleppen lassen, ohne genau zu wissen wo es hingehe sollte. Die erste Station war dann ein Casino… Wir blieben nicht lange da, was wohl daran lag, dass alle außer mir ihr Geld verloren^^ Ich bin mit 1000KSH rein und mit 1500KSH raus, seid bitte stolz auf mich ;) Den Rest des Abends (und der Nacht) haben wir zusammen mit den Indern (wir hatten inzwischen auch die Namen herausgefunden: Bhavik und Kevin) im Signature (einem Club). Dort wurde bis um 5 Uhr morgens getanzt. Danach haben wir uns von den beiden verabschiedet und sind zum „Duke“ und nach einem ausführlichen angetrunkenen Gespräch mit Julia konnte ich dann endlcih um halb 7 Uhr morgens schlafen… Um 9 gabs Frühstück -.-

Tut mir Leid, wenn das alles ein wenig durcheinander ist und nicht ganz der hochsprachlichen Norm entspricht, aber einen so langen Zeitraum abzuarbeiten ist nicht so einfach. Ich werde mich bemühen jetzt öfter und dafür nicht so viel auf einmal zu schreiben^^

Alles Liebe
eure Hanne

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