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Donnerstag, 5. Juli 2012

Mageta Island, Reisernte und die folgende Woche

Am Samstagmorgen war ich tatsächlich wieder fit und wir konnten nach Kisumu aufbrechen. Von dort aus gings weiter am Seeufer richtung Uganda. Nach zwei Stunden ereichten Usenge und dort bestiegen wir zusammen mit ca. 20 weiteren Personen und jede Menge Vorräten einen alten Kahn. Bereits am Steg brach eine Planke und doch brachte uns das Gefährt sicher hinüber auf die Insel Mageta (allerdings musste auch ständig jemand Wasser zurück in den See kippen). Wir brachten unser Gepäck in das einzige kleine Resort und starteten einen Rundgang über die Insel (sie war doch größer als erwartet). Aloyce hatte selbst drei Jahre auf Mageta gelebt und sich seinen Lebensunterhalt mit Fischen verdient (langsam frage ich mich was er wohl noch nicht gemacht hat) und kannte sich daher bestens aus. So kams auch, dass er alle 5 Minuten von irgendwem herzlich begrüßt wurde. Auf der Insel befinden sich 5 kleine Dörfer und völlig unerwartet trafen wir im letzten Zipfel der Insel, im letzten Dorf als wir um eine Ecke der kleinen verwinkelten Fischerhütten liefen auf eine „Mzunge“. Ein deutscher Student aus Würzburg, der in England irgendwas mit Wasserversorgung studiert. Völlig perplex wurde nur schnell hallo gesagt und Handynummern etc. wurden ganz vergessen. Auch Aloyce schien die Größe der Insel und die Vielzahl an Bekannten unterschätzt zu haben, denn es begann bereits zu dämmern als wir unseren Rückweg antraten. So schnappten wir uns schnell noch das Pikipiki, dass an uns vorbei kam. Es passten aber nur zwei drauf, Baba wollte also später nachkommen. Im Hotel warteten wir ca. 2 Stunden auf ihn. Lotte schlief und ich unterhielt mich gut mit dem Weißen und seinem indonesischen Studienkollegen.  Als Aloyce kam, erzählte er uns dann, dass der Fahrer ihn overchargen wollte und er dann doch lieber gelaufen ist^^. Im Dunkeln gings dann also noch schnell in ein Hoteli (afrikanische Bezeichnung für ein Kabuff wo man etwas essen kann) in dem es aber nur noch Brot und Tee Masala (mit indischem Gewürz, dass stark nach Weihnachten schmeckt, vielleicht kommt es daher, dass ich in letzter Zeit immer einen Ohrwurm von „ihr Kinderlein kommet“ habe, oder es liegt an der schlichten Abwesenheit der Weihnachtsstimmung vor 6 Monaten). Auf der Insel geht desswegen das Licht so schnell aus, weil Alles und Jeder irgendwie mit der Fischerei zu tun hat und die Fischer kommen morgens um 2 vom Wasser. Außerdem scheint das Resort einer der wenigen Orte zu sein wo es tatsächliches elekrtisches Licht gibt. Doch auf dem Wasser tanzen ebenfalls viele kleine Lichtlein: Petroleumlampen, die Insekten anlocken, die wiederrum die Fische anlocken, die dann von den Fischern „geerntet“ werden.
Am nächsten Morgen standen wir bereits um 6 auf und gingen mit Aloyce zum Ufer, an dem die Omena-Fischer (Omena ist ein winziger Fisch, der im Stück getrocknet und dann später fritiert wird, das Lieblingsgericht der Luos) landeten. Die wenigsten Boote hatten einen Außenborder, vorwärts kam man mit Paddeln. Bis zu 2-3 Stunden müssen die Fischer jede Nacht paddeln um die Fischplätze zu erreichen. Am Ufer herrschte reges Treiben, während die Arbeitszeit der Männer nachts ist, wurden nun die Frauen munter. Sie kauften den Fisch direkt von den Booten um ihn im Laufe des Tages auf großen Netzen zu trocknen und dann abends an Marktfrauen aufs Festland weiter zu verkaufen. Die Männer würden nun „zu Abend essen“ und schlafen um um 2 wieder aufzustehen und die Netze zu flicken, abends um 6-8 würde es dann wieder aufs Wasser gehen. Wir machten uns um 11 auf den Weg zur Fähre zum Festland, nachdem wir einen großen 50Kilo Sack Omena für Florence gekauft hatten (50 Kilo hätte es mit Mehl gewogen, mit Omena waren es vielleicht 5 bis 10 Kilo, trotzdem reichlich^^).
In der folgenden Woche war ich einmal mit Jorim im Dorf Billard spielen, allerdings wenig erfolgreich, da die Regeln hier anders sind. Man spielt mit fünf Spielern und hat drei Kugeln zu versenken. Die Kugeln sind aufgeteilt. Immer drei Kugeln mit fortlaufender Nummer gehören zu einem Spieler (1,2,3 und 4,5,6 etc) wer welche Gruppe hat entscheidet sich je nachdem wer am Anfang welche Kugel versenkt. Außerdem sind die Kugeln vielleicht gerade mal halb so klein.
Zuhause wurde ich einmal von meiner lieben Gastschwester bestohlen, da diese so gern auf die Schultour würde. Ich hatte eigentlich schon mit Aloyce ausgemacht, dass wir die Kosten aufteilen und für Biata bezahlen, doch nach dieser kleinen Aktion fiel die Tour für sie aus. Allerdings sagten wir Aloyce nichts davon, denn seine Strafe wäre bestimmt schmerzhafter ausgefallen. Am Mittwoch zeigte mir Jorim auch die Reisernte in seinem Heimatdorf, unweit von Masogo. Eine schöne Aktion, bei Sonnenschein, blauem Himmel, der leichten Briese über den weiten Reisfeldern. Die ganzen Frauen am Feldrand mit den matschigen Füßen und Saumröcken, die sich tierisch darüber freuten, dass ich ein paar Brocken Luo sprach. Meine Tollpatschigkeit, vom kleinen erhöhten Erddeich (der als Weg diente) zu rutschen und schön im nass-matschigen Reisfeld zu landen könnte auch zu ihrer Erheiterung beigetragen haben.




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