Am
Samstagmorgen war ich tatsächlich wieder fit und wir konnten nach Kisumu
aufbrechen. Von dort aus gings weiter am Seeufer richtung Uganda. Nach zwei
Stunden ereichten Usenge und dort bestiegen wir zusammen mit ca. 20 weiteren
Personen und jede Menge Vorräten einen alten Kahn. Bereits am Steg brach eine
Planke und doch brachte uns das Gefährt sicher hinüber auf die Insel Mageta
(allerdings musste auch ständig jemand Wasser zurück in den See kippen). Wir
brachten unser Gepäck in das einzige kleine Resort und starteten einen Rundgang
über die Insel (sie war doch größer als erwartet). Aloyce hatte selbst drei
Jahre auf Mageta gelebt und sich seinen Lebensunterhalt mit Fischen verdient
(langsam frage ich mich was er wohl noch nicht gemacht hat) und kannte sich
daher bestens aus. So kams auch, dass er alle 5 Minuten von irgendwem herzlich
begrüßt wurde. Auf der Insel befinden sich 5 kleine Dörfer und völlig unerwartet
trafen wir im letzten Zipfel der Insel, im letzten Dorf als wir um eine Ecke
der kleinen verwinkelten Fischerhütten liefen auf eine „Mzunge“. Ein deutscher
Student aus Würzburg, der in England irgendwas mit Wasserversorgung studiert.
Völlig perplex wurde nur schnell hallo gesagt und Handynummern etc. wurden ganz
vergessen. Auch Aloyce schien die Größe der Insel und die Vielzahl an Bekannten
unterschätzt zu haben, denn es begann bereits zu dämmern als wir unseren
Rückweg antraten. So schnappten wir uns schnell noch das Pikipiki, dass an uns
vorbei kam. Es passten aber nur zwei drauf, Baba wollte also später nachkommen.
Im Hotel warteten wir ca. 2 Stunden auf ihn. Lotte schlief und ich unterhielt
mich gut mit dem Weißen und seinem indonesischen Studienkollegen. Als Aloyce kam, erzählte er uns dann, dass
der Fahrer ihn overchargen wollte und er dann doch lieber gelaufen ist^^. Im
Dunkeln gings dann also noch schnell in ein Hoteli (afrikanische Bezeichnung
für ein Kabuff wo man etwas essen kann) in dem es aber nur noch Brot und Tee
Masala (mit indischem Gewürz, dass stark nach Weihnachten schmeckt, vielleicht
kommt es daher, dass ich in letzter Zeit immer einen Ohrwurm von „ihr
Kinderlein kommet“ habe, oder es liegt an der schlichten Abwesenheit der Weihnachtsstimmung
vor 6 Monaten). Auf der Insel geht desswegen das Licht so schnell aus, weil
Alles und Jeder irgendwie mit der Fischerei zu tun hat und die Fischer kommen
morgens um 2 vom Wasser. Außerdem scheint das Resort einer der wenigen Orte zu
sein wo es tatsächliches elekrtisches Licht gibt. Doch auf dem Wasser tanzen
ebenfalls viele kleine Lichtlein: Petroleumlampen, die Insekten anlocken, die
wiederrum die Fische anlocken, die dann von den Fischern „geerntet“ werden.
Am nächsten Morgen standen wir bereits um 6 auf und gingen mit Aloyce zum Ufer,
an dem die Omena-Fischer (Omena ist ein winziger Fisch, der im Stück getrocknet
und dann später fritiert wird, das Lieblingsgericht der Luos) landeten. Die
wenigsten Boote hatten einen Außenborder, vorwärts kam man mit Paddeln. Bis zu
2-3 Stunden müssen die Fischer jede Nacht paddeln um die Fischplätze zu
erreichen. Am Ufer herrschte reges Treiben, während die Arbeitszeit der Männer
nachts ist, wurden nun die Frauen munter. Sie kauften den Fisch direkt von den
Booten um ihn im Laufe des Tages auf großen Netzen zu trocknen und dann abends
an Marktfrauen aufs Festland weiter zu verkaufen. Die Männer würden nun „zu
Abend essen“ und schlafen um um 2 wieder aufzustehen und die Netze zu flicken,
abends um 6-8 würde es dann wieder aufs Wasser gehen. Wir machten uns um 11 auf
den Weg zur Fähre zum Festland, nachdem wir einen großen 50Kilo Sack Omena für
Florence gekauft hatten (50 Kilo hätte es mit Mehl gewogen, mit Omena waren es
vielleicht 5 bis 10 Kilo, trotzdem reichlich^^).
In der folgenden Woche war ich einmal mit Jorim im Dorf Billard spielen,
allerdings wenig erfolgreich, da die Regeln hier anders sind. Man spielt mit
fünf Spielern und hat drei Kugeln zu versenken. Die Kugeln sind aufgeteilt.
Immer drei Kugeln mit fortlaufender Nummer gehören zu einem Spieler (1,2,3 und
4,5,6 etc) wer welche Gruppe hat entscheidet sich je nachdem wer am Anfang
welche Kugel versenkt. Außerdem sind die Kugeln vielleicht gerade mal halb so
klein.
Zuhause wurde ich einmal von meiner lieben Gastschwester bestohlen, da diese so
gern auf die Schultour würde. Ich hatte eigentlich schon mit Aloyce ausgemacht,
dass wir die Kosten aufteilen und für Biata bezahlen, doch nach dieser kleinen
Aktion fiel die Tour für sie aus. Allerdings sagten wir Aloyce nichts davon,
denn seine Strafe wäre bestimmt schmerzhafter ausgefallen. Am Mittwoch zeigte
mir Jorim auch die Reisernte in seinem Heimatdorf, unweit von Masogo. Eine
schöne Aktion, bei Sonnenschein, blauem Himmel, der leichten Briese über den
weiten Reisfeldern. Die ganzen Frauen am Feldrand mit den matschigen Füßen und
Saumröcken, die sich tierisch darüber freuten, dass ich ein paar Brocken Luo
sprach. Meine Tollpatschigkeit, vom kleinen erhöhten Erddeich (der als Weg
diente) zu rutschen und schön im nass-matschigen Reisfeld zu landen könnte auch
zu ihrer Erheiterung beigetragen haben.
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