So nun
sind wir fast in der Gegenwart angekommen: Vorletztes Wochenende habe ich einen
Abstecher in die Masai Mara gemacht. Ein Nationalpark der an der Grenze zu
Tansania liegt und den kenianischen Teil der Serengeti bildet. Ich teilte mir
den Führer mit zwei auszubildenden Krankschwestern aus Dänemark, die allerdings
wenig kommunikativ waren. Am Freitagabend war ein Abendgamedrive geplant (Game=
Wildtiere, also Beobachtungsfahrt), doch da ich mal wieder zu flüssig und in
die falsche Richtung Verdaute musste ich leider
im Camp bleiben. Die Angestellten und meine Zeltmitbewohnerin (eine
junge Koreanerin) kümmerten sich rührend um mich, echt super lieb. Sie konnten
allerdings nicht so ganz verstehen, warum ich das alles so gelassen nahm. Am
nächsten Tag gings dann schon früh los. Auch wenn die Masai Mara DAS
Aushängeschild Kenias ist, sind die Straßen furchtbar schlecht (naja es sind
eigentlich keine Straßen) und ich hatte wirklich Bammel vor dem Tag im Auto,
doch mein Magen nahms gelassen. Leider war es den ganzen Tag bewölkt und gegen
Mittags erwischte uns auch ein richtig schöner afrikanischer Platzregen, sodass
wir nicht so viele Tiere sahen (ich hatte ja auch eigentlich schon fast alles
gesehen, mir fehlten von den typischen Afrikatieren nur noch der Leopard,
Gepard und das Rhino). Dafür konnten wir eine gemischte Tozrigruppe dabei
beobachten , wie sie versuchten einen absolut festgefahrenen Safaribus frei zu „schaukeln“
(der Länge nach auf einem Erddeich aufgesetzt, alle Reifen in der Luft). Am
Ende waren sie erfolgreich und von oben bis unten mit Schlamm bespritzt. Nach dem Schauer kamen dann auch viele Vögel
raus und über den weiten Hügeln strahlten vereinzelt breite Sonnenstrahlen
durch die Wolkendecke. Für den Abend war eigentlich ein Besuch im Masaidorf
geplant, aber da die anderen beiden Mädchen wenig daran interessiert waren und
ich den Abendgamedrive verpasst hatte, einigten wir uns mit dem Fahrer darauf,
bis zur Schließzeit im Park zu bleiben. Dafür wurden wir mit einem ziemlich
großen Löwen und einem der wirklich schwierig zu findenden Leoparden belohnt.
Leoparden sind sehr scheu und kommen eigentlich nur zur Jagd aus ihren dichten
Wäldchen (hier heißt eigentlich jeder Busch Wald). Das tollste an meinem Besuch
in der Masai Mara war jedoch der Samstagabend. Ich saß im Camp beim Abendessen,
mit vielen kleinen Gruppen an Touristen und Reisenden und kam mit tollen
Menschen in Kontakt. Da war natürlich meine Kurzzeitmitbewohnerin Jenny aus
Korea, die zwei Tage zuvor gelandet war und einen zweimonatigen Freiwilligendienst
machen will, eine Gruppe chinesischer Kaufmänner, die versuchten mir die äußerlichen Unterschiede zwischen Chinesen,
Koreanern und Japanern zu erklären, zwei weitere Geschäftsmänner aus Israel und
Indien, die schon unglaublich viel Orte gesehen haben und ein Australier, der
sein Leben damit verbringt immer ein halbes Jahr zu arbeiten um dann sofort alles
verdiente Geld auf einer langen Reise zu verprassen (was bin ich neidisch
geworden bei den Erzählungen). Am nächsten Morgen stand noch ein
Morgengamedrive an. Ich fand es schön die Weite der Masai Mara zu sehen und
natürlich die Tiere, doch ich hatte mir nach all den Erzählungen irgendwie mehr
darunter vorgestellt. Allerdings kommt natürlich dazu, dass man so ein
Safarigehetze mit guten 50 unabhängigen Bussen von einem Löwen zum anderen, nicht
so wirklich genießen kann. Aber da ich nicht allein im Bus war, konnte ich
wenig ausrichten. Beim Morgengamedrive lernte ich aber auch noch eine
griechische Ärztin auf Tagung kennen (ich hatte mit dem Inder gwettet, ob sie
wohl aus Spanien oder Griechenland käme und habe mit Griechenland gewonnen, so
kam man dann ins Gespräch). Nach einem kurzen Fürhstück im Camp gings dann zusammen
mit den Asiaten, dem Inder, den Dänen und der Griechin zurück nach Nairobi. Den
Abend verbrachte ich einfach spontan dort, zusammen mit Vishara (dem Inder) und
Fotia (der Griechin) aßen wir lecker bei Äthiopier, spielten Billiard (nach den
neuen Regeln), rauchten Shisha und schauten uns das England-Italien-EM-Spiel
an. Am Montag gings dann zurück nach Hause (Masogo).
Von den Kindern und Aloyce habe ich mich superwillkommen gefühlt, doch Lotte
und Forence waren beide echt kühl, sie redeten immer viel Luo in meiner
Gegenwart, was ich persönlcih schon ziemlich blöd finde und scheinen an dem
Wochenende noch verbündeter zu sein als vorher. In der Schule startete ich nun
eine Plakatemarathon, denn irgendwie müssen die ganzen Bestellungen der Lehrer
ja vor meinem Abflug noch fertig werden. Durch die Flotteallianz verbrachte ich
allgemein mehr Zeit in Masogo, besuchte Freunde, ging auf den Markt oder
spielte mit Jorim Billard. Das ich dadurch abends später nach Hause kam, schien
Florence gar nicht zu gefallen und und weiter von einandern zu entfernen, doch
was sollte ich tun. Im Dorf fühlte ich mich wenigstens wohl. Vom Donnerstag auf
Freitag schlief ich dann auch bei Betty (einer Lehrerin aus Wambi, die am
Anfang sehr eng mit Lotte befreundet war, doch die Freunschaft schien
abgeflaut), dort konnte ich mich dann auch mal so richtig schön ausheulen und
auskotzten, danach gings mir wirklich besser. An dem Abend habe ich auch mit
Elisha und Jorim das Deutschlandspiel angeschaut. Das werde ich allerdings nie
wieder tun: erstens ist es echt deprimierend zwischen einem Haufen Afrikaner zu
hocken, die ein schwarzes Riesenbaby feiert, während dieses besagte Riesenbaby
die geliebte Heimat platt macht. In der letzten Woche waren wir mit der Schule
auf einer Beerdigung, der Vater eines der Babyklassenkinder ist gestorben, doch
viel gibt’s es dazu nicht zu erzählen. Wir sind mit den Kindern singend hin
gelaufen, haben kurz gebetet, unser Beileid ausgesprochen und das gesammelte
Geld überreicht und sind dann wieder zurück zur Schule. Bei einem Abendessen
gabs dann auch endlich eine spontane Aussprache mit Florence. Sie war so
genervt von meinen kleinen Essportionen, dass sie mich tatsächlich offen drauf
ansprach (das heißt schon eine ganze Menge), den Ausschlag hat wohl Lotte
gegeben, sie hatte Florence gesteckt, dass ich am Morgen den Tee nicht
getrunken hatte (naja da ist auch soviel Zucker drin, dass man einen Löffel
reinstecke könnte ohne dass dieser zur Seite weg kippt). Sie war halt echt „annoyed“
und so kams, dass ich in der Familie doch wieder viel aß. Wenn sie raus
bekommen würde, dass ich dafür jetzt kaum was zum Lunch esse, würde sie mich
bestimmt am liebsten schlagen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen