Ende
Mai (am 23.05) fanden in der Nähe die regionalen Athletic Finals statt. Ihr
erinnert euch sicher, dass im ersten Term viele Spiele stattfanden, nun waren
die athletischen Wettkämpfe an der Reihe. Es war mal ganz cool den „Homeground“
der Kenianer vom Küstenmarathon zu sehen, obwohl die berühmten kenianischen Marathonläufer
eigentlich aus dem Hochland kommen. Es fanden von Speerwurf über Kugelstoßen
bis hin zu jeder erdenklichen Art von Laufwettkämpfen dieselben Disziplin
statt, die wir auch von unseren Bundesjugendspielen (oder sonstigen
Kinderquälevents) kennen. Für mich ist es ein Wunder wie man bei den
Temperaturen überhaupt schneller als im Alltagstrott laufen kann (Ende Mai wars
noch sehr heiß, inzwischen friere ich auch öfter mal in meinem Schlafsack).
Die Wochenenden habe ich im Mai und Juni hauptsächlich in Kisumu verbracht, da
ja die Bewerbungen für die Uni anstanden. Ich würde wirklich gern Tiermedizin
studieren, mit meiner Faulheit , dem blöden G8-Abi und meiner daraus
resultierenden durchschnittlichen Abinote kann ich mir allerdings wenig
Hoffnungen auf einen Studienplatz machen. Alternativen sind Geowissenschaften,
Bio, Chemie oder eben doch noch eine Mathe-Lehramtskombination. Wer hätte
gedacht, dass es mich doch noch mal in die Richtung verschlägt, wirklich sicher
bin ich mir aber noch nicht. An einem der Wochenenden habe ich auch noch mal
den Kisumu Masai Markt besucht und erlag einem kurzen aber heftigen Kaufrausch.
Sagen wir es mal so: Hätte ich eine Wohnung, könnte ich sie mir direkt
wunderschön afrikanisch einrichten…
Am 27. Mai kam dann großer Besuch: Lottes Eltern und ihre drei jüngeren Brüder
waren im Anmarsch. Aus Platzgründen zogen unsere Schwestern zu Lotte und mir
um. Beatrice schlief bei Lotte und Ilka und Biata krabbelten zu mir unters
Moskitonetz (ich habe das größere Bett). Dummerweise hatte Biata einen sehr
unruhigen Schlaf und Ilka war Bettnässerin. Meine einstige Rückzugsmöglichkeit
, mein Ruhepol, mein bequemes, kuscheliges Bett wurde zum Ort des Grauens und
mein Schlafdefizit steigerte sich ins Unermessliche. In der ersten Woche des
Besuchs wurden Examen geschrieben. Wir hatte allerdings erst 3 Wochen lang
unterrichtet. Trotzdem wunderte sich jeder über die nur durchschnittlichen
Ergebnisse. Einmal hat mich auch unsere Headteacherin Madam Jane zum Lunch
eingeladen. Sie war in meinen ersten 3 Monaten hier hochschwanger und bekam
ihren kleinen Sohn dann an Weihnachten. Er starb leider im Januar, ich hatte
euch das glaube ich schon geschrieben. Dadurch hatte ich wenig Kontakt zu ihr,
was sehr schade ist, da ich nun feststelle wie unglaublich nett sie ist. Wir
haben viel über die Unterschiede in Deutschland und Kenia gesprochen und
irgendwie kamen wir aufs Fliegen. Man denkt wenig darüber nach, wie wohl
fliegen ist, wenn man es kennt, aber Jane musste ich es erst mal 30 Minuten lag
erklären.
Zuhause habe ich wenig von dem
Besuch mitbekommen. Ich war immer
lang in der Schule und die waren natürlich bei Lotte, wenn ich abends zurück
kam, wurde Wasser geholt, gekocht etc. Am nächsten Wochenende war ich wieder in
Kisumu für Bewerbungen und am Nachmittag habe ich mich dort mit Elisha (dem
Kerl aus dem Shop in dem ich immer zu Mittag esse) und Jorim (einem
Lehrerkollegen) getroffen. Wir haben zusammen mit Jorims Freundin zu Mittag
gegessen und sind dann zu einem College an dem ein Cultural Day stattfand. Viel
gabs da leider nicht zu sehen: auf einer Bühne fanden Tanzwettbewerbe statt (es
gewann derjenige, der den menschlichen Fortpflanzungsakt am besten darstellen
konnte) und es gab auch ein Wettessen, bei dem anscheinend jeder einfach nur
das Tostbrot und die Cola genoß anstatt sich irgendwie zu beeilen. Auf dem
Rückweg musste ich dann auch noch zwei 20L Wasserkanister mitschleppen, denn
mit dem Besuch wurde natürlich jede Menge Trinkwasser verbraucht. Zuhause musste ich dann blöderweise
feststellen, dass Aloyce auch schon Wasser gekauft hatte, umsonst geschwitzt.
Am Montag lag die liebe Lotte dann komplett flach, während sie sonst nur mit
ihrer Hautinfektion zu kämpfen hatte, kam nun eine Blut- und
Darmentzündung. Lottes Bruder bauten uns
in der Zeit wunderbar praktische Holzregale in die Küche, die besonders
Florence erfreuten.
Das brachte mich auf die Idee, das selbe in der Schule zu machen und noch in
der selben Woche konnten sich die Lehrer über Stauraum für ihre Bücher, Hefte
etc . freuen.
Nach zwei Wochen reiste der Besuch dann auch wieder ab.
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