Seiten

Donnerstag, 5. Juli 2012

Wettkämpfe, Bewerbungen und Besuch

Ende Mai (am 23.05) fanden in der Nähe die regionalen Athletic Finals statt. Ihr erinnert euch sicher, dass im ersten Term viele Spiele stattfanden, nun waren die athletischen Wettkämpfe an der Reihe. Es war mal ganz cool den „Homeground“ der Kenianer vom Küstenmarathon zu sehen, obwohl  die berühmten kenianischen Marathonläufer eigentlich aus dem Hochland kommen. Es fanden von Speerwurf über Kugelstoßen bis hin zu jeder erdenklichen Art von Laufwettkämpfen dieselben Disziplin statt, die wir auch von unseren Bundesjugendspielen (oder sonstigen Kinderquälevents) kennen. Für mich ist es ein Wunder wie man bei den Temperaturen überhaupt schneller als im Alltagstrott laufen kann (Ende Mai wars noch sehr heiß, inzwischen friere ich auch öfter mal in meinem Schlafsack).
Die Wochenenden habe ich im Mai und Juni hauptsächlich in Kisumu verbracht, da ja die Bewerbungen für die Uni anstanden. Ich würde wirklich gern Tiermedizin studieren, mit meiner Faulheit , dem blöden G8-Abi und meiner daraus resultierenden durchschnittlichen Abinote kann ich mir allerdings wenig Hoffnungen auf einen Studienplatz machen. Alternativen sind Geowissenschaften, Bio, Chemie oder eben doch noch eine Mathe-Lehramtskombination. Wer hätte gedacht, dass es mich doch noch mal in die Richtung verschlägt, wirklich sicher bin ich mir aber noch nicht. An einem der Wochenenden habe ich auch noch mal den Kisumu Masai Markt besucht und erlag einem kurzen aber heftigen Kaufrausch. Sagen wir es mal so: Hätte ich eine Wohnung, könnte ich sie mir direkt wunderschön afrikanisch einrichten…
Am 27. Mai kam dann großer Besuch: Lottes Eltern und ihre drei jüngeren Brüder waren im Anmarsch. Aus Platzgründen zogen unsere Schwestern zu Lotte und mir um. Beatrice schlief bei Lotte und Ilka und Biata krabbelten zu mir unters Moskitonetz (ich habe das größere Bett). Dummerweise hatte Biata einen sehr unruhigen Schlaf und Ilka war Bettnässerin. Meine einstige Rückzugsmöglichkeit , mein Ruhepol, mein bequemes, kuscheliges Bett wurde zum Ort des Grauens und mein Schlafdefizit steigerte sich ins Unermessliche. In der ersten Woche des Besuchs wurden Examen geschrieben. Wir hatte allerdings erst 3 Wochen lang unterrichtet. Trotzdem wunderte sich jeder über die nur durchschnittlichen Ergebnisse. Einmal hat mich auch unsere Headteacherin Madam Jane zum Lunch eingeladen. Sie war in meinen ersten 3 Monaten hier hochschwanger und bekam ihren kleinen Sohn dann an Weihnachten. Er starb leider im Januar, ich hatte euch das glaube ich schon geschrieben. Dadurch hatte ich wenig Kontakt zu ihr, was sehr schade ist, da ich nun feststelle wie unglaublich nett sie ist. Wir haben viel über die Unterschiede in Deutschland und Kenia gesprochen und irgendwie kamen wir aufs Fliegen. Man denkt wenig darüber nach, wie wohl fliegen ist, wenn man es kennt, aber Jane musste ich es erst mal 30 Minuten lag erklären. 
Zuhause habe ich wenig von dem  Besuch  mitbekommen. Ich war immer lang in der Schule und die waren natürlich bei Lotte, wenn ich abends zurück kam, wurde Wasser geholt, gekocht etc. Am nächsten Wochenende war ich wieder in Kisumu für Bewerbungen und am Nachmittag habe ich mich dort mit Elisha (dem Kerl aus dem Shop in dem ich immer zu Mittag esse) und Jorim (einem Lehrerkollegen) getroffen. Wir haben zusammen mit Jorims Freundin zu Mittag gegessen und sind dann zu einem College an dem ein Cultural Day stattfand. Viel gabs da leider nicht zu sehen: auf einer Bühne fanden Tanzwettbewerbe statt (es gewann derjenige, der den menschlichen Fortpflanzungsakt am besten darstellen konnte) und es gab auch ein Wettessen, bei dem anscheinend jeder einfach nur das Tostbrot und die Cola genoß anstatt sich irgendwie zu beeilen. Auf dem Rückweg musste ich dann auch noch zwei 20L Wasserkanister mitschleppen, denn mit dem Besuch wurde natürlich jede Menge Trinkwasser verbraucht.  Zuhause musste ich dann blöderweise feststellen, dass Aloyce auch schon Wasser gekauft hatte, umsonst geschwitzt. Am Montag lag die liebe Lotte dann komplett flach, während sie sonst nur mit ihrer Hautinfektion zu kämpfen hatte, kam nun eine Blut- und Darmentzündung.  Lottes Bruder bauten uns in der Zeit wunderbar praktische Holzregale in die Küche, die besonders Florence erfreuten.
Das brachte mich auf die Idee, das selbe in der Schule zu machen und noch in der selben Woche konnten sich die Lehrer über Stauraum für ihre Bücher, Hefte etc . freuen.
Nach zwei Wochen reiste der Besuch dann auch wieder ab.

Bauarbeiten

Nun da der Besuch weg war, freute ich mich darauf endlich wieder mein Bett für mich zu haben, doch zu früh gefreut. Am Montag morgen (11.06.) erwachte ich durch den Lärm, der durch das Tragen von großen Maissäcken in unser Haus verursacht wurde. Das große Haus wurde für die letzten Bauarbeiten leer geräumt. Wenigstens hatte ich mein Bett doch für mich, die Mädels schliefen in ihrem eigenen in unserem Vorraum. Auch das Wasserschelppen ging weiter, diesmal nicht zum Duschen für Besucher sondern für das Anmischen von Zement.  Abends wurde weiterhin groß gekocht, jetzt für die Arbeiter und abends wurden wir bei lebendigem Leib von Moskitos aufgefressen, da das Abendsessen draußen im Pavillion stattfinden musste. Auch wenn ich mein Bett wieder für mich hatte, wurde es nicht wieder zu meinem Ruhepol, denn mit dem Regen kamen auch die Bettwanzen zurück und ich sehe überall aus wie ein Streuselkuchen. Am Ende der Woche kam auch die altbekannte Magenverstimmung dazu. Hurra! Am Freitag wollten wir eigentlich mit Aloyce auf eine der Victoriaseeinseln fahren, das wurde auf Samstag verschoben.

Mageta Island, Reisernte und die folgende Woche

Am Samstagmorgen war ich tatsächlich wieder fit und wir konnten nach Kisumu aufbrechen. Von dort aus gings weiter am Seeufer richtung Uganda. Nach zwei Stunden ereichten Usenge und dort bestiegen wir zusammen mit ca. 20 weiteren Personen und jede Menge Vorräten einen alten Kahn. Bereits am Steg brach eine Planke und doch brachte uns das Gefährt sicher hinüber auf die Insel Mageta (allerdings musste auch ständig jemand Wasser zurück in den See kippen). Wir brachten unser Gepäck in das einzige kleine Resort und starteten einen Rundgang über die Insel (sie war doch größer als erwartet). Aloyce hatte selbst drei Jahre auf Mageta gelebt und sich seinen Lebensunterhalt mit Fischen verdient (langsam frage ich mich was er wohl noch nicht gemacht hat) und kannte sich daher bestens aus. So kams auch, dass er alle 5 Minuten von irgendwem herzlich begrüßt wurde. Auf der Insel befinden sich 5 kleine Dörfer und völlig unerwartet trafen wir im letzten Zipfel der Insel, im letzten Dorf als wir um eine Ecke der kleinen verwinkelten Fischerhütten liefen auf eine „Mzunge“. Ein deutscher Student aus Würzburg, der in England irgendwas mit Wasserversorgung studiert. Völlig perplex wurde nur schnell hallo gesagt und Handynummern etc. wurden ganz vergessen. Auch Aloyce schien die Größe der Insel und die Vielzahl an Bekannten unterschätzt zu haben, denn es begann bereits zu dämmern als wir unseren Rückweg antraten. So schnappten wir uns schnell noch das Pikipiki, dass an uns vorbei kam. Es passten aber nur zwei drauf, Baba wollte also später nachkommen. Im Hotel warteten wir ca. 2 Stunden auf ihn. Lotte schlief und ich unterhielt mich gut mit dem Weißen und seinem indonesischen Studienkollegen.  Als Aloyce kam, erzählte er uns dann, dass der Fahrer ihn overchargen wollte und er dann doch lieber gelaufen ist^^. Im Dunkeln gings dann also noch schnell in ein Hoteli (afrikanische Bezeichnung für ein Kabuff wo man etwas essen kann) in dem es aber nur noch Brot und Tee Masala (mit indischem Gewürz, dass stark nach Weihnachten schmeckt, vielleicht kommt es daher, dass ich in letzter Zeit immer einen Ohrwurm von „ihr Kinderlein kommet“ habe, oder es liegt an der schlichten Abwesenheit der Weihnachtsstimmung vor 6 Monaten). Auf der Insel geht desswegen das Licht so schnell aus, weil Alles und Jeder irgendwie mit der Fischerei zu tun hat und die Fischer kommen morgens um 2 vom Wasser. Außerdem scheint das Resort einer der wenigen Orte zu sein wo es tatsächliches elekrtisches Licht gibt. Doch auf dem Wasser tanzen ebenfalls viele kleine Lichtlein: Petroleumlampen, die Insekten anlocken, die wiederrum die Fische anlocken, die dann von den Fischern „geerntet“ werden.
Am nächsten Morgen standen wir bereits um 6 auf und gingen mit Aloyce zum Ufer, an dem die Omena-Fischer (Omena ist ein winziger Fisch, der im Stück getrocknet und dann später fritiert wird, das Lieblingsgericht der Luos) landeten. Die wenigsten Boote hatten einen Außenborder, vorwärts kam man mit Paddeln. Bis zu 2-3 Stunden müssen die Fischer jede Nacht paddeln um die Fischplätze zu erreichen. Am Ufer herrschte reges Treiben, während die Arbeitszeit der Männer nachts ist, wurden nun die Frauen munter. Sie kauften den Fisch direkt von den Booten um ihn im Laufe des Tages auf großen Netzen zu trocknen und dann abends an Marktfrauen aufs Festland weiter zu verkaufen. Die Männer würden nun „zu Abend essen“ und schlafen um um 2 wieder aufzustehen und die Netze zu flicken, abends um 6-8 würde es dann wieder aufs Wasser gehen. Wir machten uns um 11 auf den Weg zur Fähre zum Festland, nachdem wir einen großen 50Kilo Sack Omena für Florence gekauft hatten (50 Kilo hätte es mit Mehl gewogen, mit Omena waren es vielleicht 5 bis 10 Kilo, trotzdem reichlich^^).
In der folgenden Woche war ich einmal mit Jorim im Dorf Billard spielen, allerdings wenig erfolgreich, da die Regeln hier anders sind. Man spielt mit fünf Spielern und hat drei Kugeln zu versenken. Die Kugeln sind aufgeteilt. Immer drei Kugeln mit fortlaufender Nummer gehören zu einem Spieler (1,2,3 und 4,5,6 etc) wer welche Gruppe hat entscheidet sich je nachdem wer am Anfang welche Kugel versenkt. Außerdem sind die Kugeln vielleicht gerade mal halb so klein.
Zuhause wurde ich einmal von meiner lieben Gastschwester bestohlen, da diese so gern auf die Schultour würde. Ich hatte eigentlich schon mit Aloyce ausgemacht, dass wir die Kosten aufteilen und für Biata bezahlen, doch nach dieser kleinen Aktion fiel die Tour für sie aus. Allerdings sagten wir Aloyce nichts davon, denn seine Strafe wäre bestimmt schmerzhafter ausgefallen. Am Mittwoch zeigte mir Jorim auch die Reisernte in seinem Heimatdorf, unweit von Masogo. Eine schöne Aktion, bei Sonnenschein, blauem Himmel, der leichten Briese über den weiten Reisfeldern. Die ganzen Frauen am Feldrand mit den matschigen Füßen und Saumröcken, die sich tierisch darüber freuten, dass ich ein paar Brocken Luo sprach. Meine Tollpatschigkeit, vom kleinen erhöhten Erddeich (der als Weg diente) zu rutschen und schön im nass-matschigen Reisfeld zu landen könnte auch zu ihrer Erheiterung beigetragen haben.